Category: Designer
HANNOVER  
 Mai 16th, 2014

Jean Paul Gaultier – From the Sidewalk to the Catwalk

 

by Franziska Sprengel

Hier kommt noch ein weiterer Post aus meiner Zeit in New York.

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Im März besuchte ich eine fantastische Jean Paul Gaultier-Ausstellung im Brooklyn Museum, über die ich Euch hier unbedingt berichten muss. Denn ohne Probleme konnte man sich dort 4 Stunden lang aufhalten ohne sich zu langweilen, und man hatte nach dieser Zeit immer noch das Gefühl, nicht alles gebührend gewürdigt zu haben. Insofern hoffe ich, dass die Ausstellung vielleicht noch mal in Deutschland (man mag es kaum hoffen) präsentiert wird.

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Vor dem Museum herrschte so ein Andrang, dass ich eine Stunde lang anstehen musste, um reinzukommen. Die Warterei hatte sich aber gelohnt. Drinnen überraschte mich ein gigantisches Jean Paul Gaultier-Universum mit einer Menge an inspirierenden Kreationen. Zu sehen waren um die 140 Haute-Couture und RTW-Teile, die erstmals international ausgestellt wurden. Außerdem gab es eine Reihe an Accessoires, Entwürfen, Bühnen- und Tanzoutfits sowie Filmausschnitten zu sehen.
Insgesamt wurden sämtliche Arbeiten aus Gaultiers Schaffensperiode von 1970 bis 2012 gezeigt, die im Rahmen von sechs unterschiedlichen Themenfeldern in sechs verschiedenen Räumen präsentiert wurden.
Neben der Vielzahl an Exponaten imponierte aber auch die moderne und ungewöhnliche Inszenierung der Kreationen.
Allein der erste Raum überraschte mit einem medial produzierten Puppenszenario. Eigens für die Ausstellung wurden nämlich die Gesichter von circa 35 Personen, darunter auch Celebrities wie Kylie Minogue, auf Video aufgenommen und auf die im Raum ausgestellten Plastikpuppen projiziert. So erschienen diese Figuren regelrecht lebendig; sie haben gelacht, gesprochen, einen angezwinkert oder geschmollt. Während man sonst im Museum den Lebenslauf des jeweiligen Künstlers an einer öden Zeit-Tafel ablesen muss, plauderte hier Jean Paul himself in einem Video über seine prägnantesten Lebensabschnitte.
Hier nun eine Übersicht über die Ausstellung:

Raum 1 – Odyssey of Jean Paul Gaultier: Hier wurden die Kreationen gezeigt, die von den typischen Gaultier-Themen wie Meerjungfrauen, religiöse Ikonografien und Matrosen inspiriert sind. Die berühmten blau-weißen Querstreifen traten hier als das dominierende Motiv auf. Am Ausgang der Ausstellung konnte man übrigens auch die einfachen Ringel-T-Shirts made by Gaultier  zu horrenden Preisen erwerben.

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Raum 2 – The Boudoir: In diesem dunklen Raum wurden an rotierenden Puppen die wäscheähnlichen Gaultier-Outfits gezeigt. Dabei verdeutlichte sich die Faszination des Designers für das Thema Erotik und für die Transformation von Lingerie. Natürlich wurde auch der in die Kunstgeschichte eingegangene für Madonna entworfene, konische BH ausgestellt. Der erschien hier wie eine religiöse Reliquie. Madonna trug ihn für ihre “Blonde Ambition World Tour” 1990 und während ihrer “Confessions Tour” 2006.

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Raum 3 – Skin Deep: Hier ging es um Aspekte wie “Körperkonstruktion” und “Kleidung als zweite Haut durch trompe-l’oeil-Effekte”. Besondere Aufmerksamkeit galt dem typischen Gaultier-Thema “Gender-Crossing”: der Rock tragende Mann.

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Raum 4 –Punk Cancan: Dieser Raum bestach durch die Inszenierung von Kontrasten. Auf einem eiförmigen Fließband wurden zum einen Gaultiers “Pariser Chic”- Outfits präsentiert. Zum anderen waren die Außenseiten des Raums mit Graffiti besprüht. Davor standen dann aufmüpfig, grimmig guckende Punk-Puppen, die ebenfalls Kreationen des Designers trugen. Eine große Inspirationsquelle für Gaultier ist sowohl die Pariser Elegance als auch die Londoner Punkszene. Seine Arbeit lebt geradezu vom Spiel mit Gegensätzen.

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Raum 5- Urban Jungle: Gaultiers multikulturelle Einflüsse wurden hier besonders hervorgehoben. So ließ sich der Designer bereits von der Kultur der Mongolen, der Peruaner und Hasidic Jews, der Chinesen und unter anderem auch von Frida Kahlo inspirieren. Auch das berühmte Häkelkleid, das in der auf Arte gezeigten Doku “The Day Before” von 2009 gezeigt wurde, konnte man hier entdecken.

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Raum 6 – Metropolis: Der Film spielt für Gaultiers Schaffen eine bedeutende Rolle. Auf der einen Seite inspirieren ihn immer wieder alte Hollywoodstreifen und Filmikonen aus der Vergangenheit. Auf der anderen Seite kreiert er regelmäßig Filmkostüme für Kinofilme oder Musik-Videos der Gegenwart. So kooperierte er auch mit Performern wie Tina Turner, Nirvana oder Kylie Minogue. Nicht zuletzt stattet er  die Glamour-Diven Hollywoods aus. Auf dem Bild sieht man Linda Evangelista mit Jean Paul Gaultier, auf die beide ein alter Schwarz-Film projiziert wird.

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Aktuell läuft diese Ausstellung übrigens bis Mitte August in London, hier findet Ihr mehr Informationen. Den Katalog kann man auch online erwerben.
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HANNOVER  
 April 23rd, 2014

Mein Praktikum bei Proenza Schouler

 

by Franziska Sprengel

Nach knapp 3 Monaten ist mein Praktikum in New York bei Proenza Schouler zu Ende. Und nun folgt mein Bericht… Während Ihr in Deutschland schon die ersten Frühlingssonnenstrahlen genießen konntet, hatten wir an der Ostküste der USA noch Ewigkeiten mit tiefem Schnee und Temperaturen deutlich unter Null Grad zu kämpfen. Dennoch bin ich sehr glücklich, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, im Unternehmen von Jack McCollough und Lazaro Hernandez meine Erfahrungen im Modedesign erweitern zu können.

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(Mein Arbeitsplatz befand sich im Stadtteil SoHo… )

Sicherlich wollt Ihr wissen, was dort meine Aufgabenbereiche waren …  Ich kann sagen, dass ich gleich vom ersten Tag an voll ins Proenza-Team eingespannt wurde. Denn mein Praktikum begann ja ca. 2,5 Wochen vor der Show für die Herbst/Winter 2014/2015-Saison. Daher habe ich sofort, nachdem ich in NY angekommen war, den Schnitttechnikern im Sample-Room bei Belegen und Futterschnitten geholfen. Außerdem gab es unzählige Papierschnitte auszuschneiden. Weiterhin habe ich die Showteile zugeschnitten, Handnäharbeiten übernommen sowie Knöpfe, Label-Etiketten und verschiedenste Verschlüsse angenäht.

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Wir haben sowohl die Prototypen hergestellt als auch die Showkollektion und eine Duplikat-Kollektion zum Verschicken an Magazine für Shootings und Ausstellungen gefertigt. In diesem Proenza Schouler- Making-Of-Video könnt Ihr auch schön meine Hände beim Arbeiten sehen (Minute 3:33-3:47) …


Dieses Backstage- und „Hinter den Kulissen“-Video von The Harrys zeigt ganz gut die Inspirationen von Jack McCollough und Lazaro Hernandez. Als Hauptreferenz für die neue Kollektion fungierte der Künstler Ron Nagle, den die beiden Designer auf der Biennale in Venedig gesehen haben. Außerdem wurden Baumaterialien wie Fliesen und Schaumstoffe im Querschnitt als Grundlagen für Prints und Details verwendet.

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Und was macht die Herbst/Winter-Kollektion 2014/2015 von Proenza Schouler aus? Als erstes fallen natürlich die skulpturalen Schnitte ins Auge, die durch viele Einlagen extremen Stand bekommen. Auffällig sind dabei das körperumspielende Volumen und die immer wiederkehrenden runden Schultern. Insgesamt zeichnet sich der Look zudem durch extravagante Muster- und Stoffmix-zusammensetzungen aus. So treffen schwere Jaquard- und Wollstoffe auf Leder in verschiedenen Qualitäten und Oberflächenstrukturen. Einen femininen Touch bekamen die Outfits durch Sanduhrsilhouetten und betonte Taillen. Im Gegensatz zu den sonst so angesagten Heels für die Models, wurden in dieser Saison flache, gemütliche (Leder-)Loafer präsentiert.

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Nach der Show Ende Februar begannen wir dann mit der Umsetzung der Showschnitte und Silhouetten in tragbare und verkäufliche Ready-to-wear-Mode. Hier ist zu sagen, dass die Produktion vereinfacht wurde, indem zu schwere Materialien ausgetauscht wurden und die von der Show so bekannten runden Schultern etwas abgeschwächt wurden.
So gibt es bei Proenza Schouler zwei unterschiedliche Schnitttechniker-Sektionen: im Sample Room arbeiten sowohl die Schnitttechniker für die Runway-Pieces als auch die Schnittechnikerin für die kommerzielle Produktion sowie die Näher, Cutter usw.. Die Designer wiederum arbeiten sehr eng mit dem Sample Room zusammen und sind ständig anwesend.
Während meines Praktikums erfuhr ich außerdem viel über die Geschichte von Proenza Schouler. Die beiden Designer sind vor circa 5 Jahren aus China Town nach Soho umgezogen. Nachdem sie in einem schönen Haus zuerst nur die oberste 8. Etage besaßen, hat sich das Unternehmen so schnell vergrößert, dass sie nun auch die 7. Etage hinzugenommen haben. Dort befindet sich neben dem Sample Room und der PR-Abteilung ein riesiger Showroom, wo die Einkäufer die gezeigte Mode ordern können.

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Zuletzt wurde ich ab Anfang März bis zum April mit in die Prototypherstellung für die Pre-Spring-Kollektion 2015 eingebunden. Ich durfte bei den Fittings an verschiedenen Modellen mitarbeiten. Natürlich darf ich noch nicht verraten, worum es die nächste Saison bei Proenza gehen wird.

Nach diesen drei lehrreichen Monaten kann ich sagen, dass ich sehr dankbar bin, dass mich das Team von Proenza Schouler so herzlich im Unternehmen aufgenommen und mir so vielfältige Einblick in die verschiedensten Bereiche gegeben hat.

HANNOVER  
 März 13th, 2014

Alumni-Interview mit Anna Heinrich

 

Heute setzen wir unsere Reihe “Fahmoda Absolventen auf der Spur” fort (siehe auch Karriere-Interviews mit Julia Kirstein und Katharina Kaiser). Ein Jahr nach den Fashion Finals 2013 befragen wir nun unsere Ehemalige Anna Heinrich nach ihrem bisherigen Werdegang.
Aktuell wohnt sie in Würzburg und arbeitet für das Label Comma.

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Anna, vor einem Jahr hast Du bei den Fashion Finals für Deine Abschlusskollektion “Come as U R” den Sonderpreis gewonnen. Seitdem sind einige Monate vergangen. Wie ging es nach Deiner Fahmoda-Ausbildung weiter?

Ich wollte keine Zeit verlieren und begann knapp einen Monat nach der Fahmoda-Show mein Praktikum bei Comma. Dies sollte meine erste praktische Erfahrung als Designerin in der Modeindustrie sein. Ich war hoch motiviert und fühlte mich direkt wohl im Team. Meine Integration gelang so gut, dass mein Praktikum vorzeitig nach 3 Monaten beendet wurde, und ich den Job als Junior-Designerin für das Kleider-Special bekam.

Das hört sich toll an. Wie sieht denn Dein momentaner Tätigkeitsbereich aus?

Ich bin für das Kleider Special bei Comma verantwortlich. Das Sortiment umfasst 15 bis 20 Kleidermodelle, die monatlich neben der Hauptkollektion angeboten werden. Wir wollen damit sowohl Kleiderstammabteilungen, als auch Comma Retailstores bestücken.

Und wie müssen wir uns einen normalen Arbeitstag von Dir vorstellen?

Ehrlich gesagt ist bei den 12 Kollektionen, die wir im Jahr produzieren, kaum ein Arbeitstag wie der andere. Man arbeitet oft parallel an 4-5 Kollektionen gleichzeitig. Da muss man flexibel sein. Ein Kollektionszyklus gestaltet sich in der Regel wie folgt: Erste Ideen werden im Pre-Brainstorming zu Looks geformt, im Brainstorming werden die Modelle dann final inklusive Farben festgelegt. Einige Wochen später folgt das Protomeeting, wo erste Prototypen der Kleider begutachtet und von einem Passformmodell probiert werden. Im Anschluss werden Änderugsschreiben an die Produzenten verfasst. Weitere Wochen später werden dann die Kleider bei einer internen Modenschau im Haus den Einkäufern präsentiert. Die verkauften Modelle durchlaufen noch viele Anproben und Änderungen bis das fertige Teil schließlich im Laden hängt. Mein Arbeitsalltag liegt also dementsprechend immer irgendwo zwischen diesen Phasen der verschiedenen Kollektionsproduktionen.

Was macht Dir an Deinem Job besonders viel Spaß?
Ich bin sehr froh darüber für meine eigene Produktgruppe verantwortlich zu sein. Die Vielfältigkeit vom Entwurf, über Material/-Farbauswahl bis hin zur Passformkontrolle am Modell garantiert einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag.

Wie bewertest Du im Rückblick Deine Ausbildung an der Fahmoda?
Während meiner Ausbildung an der Fahmoda wurden mir alle wichtigen Grundlagen, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt, die es für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben braucht.

Und was hat Dir denn während Deines Modedesignstudiums besonders gefallen?
Der Grund, warum ich mich damals für die Modeschule Fahmoda entschieden habe, war das duale System – die handwerkliche Ausbildung zur Damenschneiderin und die theoretische Ausbildung zur Modedesignerin. Darüber hinaus hat mir sehr gefallen, dass die Dozenten an der individuellen Stilistik des einzelnen Studenten interessiert sind und einen keineswegs in eine Richtung drängen wollen. Ich fand es gut, dass man Zeit und Raum hatte seinen persönlichen Ausdruck zu formen.

Was würdest Du heute jüngeren Modedesignstudenten empfehlen?
Das Studium kann Wissen vermitteln und Fähigkeiten schulen. Das Wichtigste ist jedoch, dass die innere Einstellung und Leidenschaft zur Mode in einem brodelt. Steckt Euch grobe Ziele, aber verkrampft Euch nicht dabei diese zu erreichen. Verschliesst Euch nicht vor Alternativen, denn diese können auch der Weg zum Ziel sein.

Wenn wir in die Zukunft schauen: Wie sehen Deine Pläne aus?

Was ich eben bereits über die Ziele gesagt habe, gilt natürlich auch für die Pläne. Letztlich möchte ich mit der Zeit immer mehr Souveränität in der Branche gewinnen und so viel es geht dazu lernen. Ich möchte in diesem ersten Job als Designerin wachsen. Auch wenn mir die Produktgruppe Kleider viel Freude bereitet, würde ich mir wünschen später auch einmal andere Produktgruppen betreuen zu dürfen. Für die ferne Zukunft schließe ich aber auch die Gründung eines eigenen Labels gemeinsam mit meinem Lebensgefährten nicht aus.

Welche Eigenschaften braucht man Deiner Ansicht nach, um erfolgreich als Modedesigner/in zu arbeiten?Durchhaltevermögen, eine gesunde Portion Selbstbewusstsein, Beharrlichkeit, Optimismus und die Fähigkeit effektiv zu arbeiten.

Zuletzt wollen wir von Dir wissen, was die bisherigen “Highlights” in Deinem Berufsleben waren?
Abgesehen von der Tatsache, dass man mir bereits nach 3 Monaten Praktikum das Vertrauen geschenkt hat eine eigene Produktgruppe zu verantworten, wird es zukünftig immer wieder ein Highlight sein, eines der Kleider, die ich entworfen habe, in Veröffentlichungen oder direkt an einer Kundin zu sehen.

Vielen lieben Dank!