Category: Designer
HANNOVER  
 November 18th, 2014

Loreen Böckings “Super Size”

 

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Wenn von Mode die Rede ist, dann geht es immer um Körper. Schöne und hässliche Körper, sportliche und unsportliche Körper, dicke und dünne Körper –  und natürlich auch um textile Kategorien wie Konfektionsgrößen oder die Körperveränderungen durch Polsterungen, Schnürungen oder Volumen, die neue Silhouetten schaffen. Wir selbst sind das, was wir sind, durch unseren Körper. Mit ihm drücken wir nicht nur unsere Identität und Individualität, sondern auch unsere Kultur aus. “Und diese Kultur ist momentan von großen Extremen geprägt”, sagt Fahmoda Studentin Loreen Böcking. “Auf der einen Seite sind wir umgeben von XXL-Menüs, All Inclusive und All-you-can-eat- Angeboten und auf der anderen Seite begegnen wir immer schlankeren Models und der XS-Skinny-Mode in der Medienwelt.”

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Mit ihrer ersten Kollektion, die Loreen während des 2. Semesters entworfen hat, möchte sie diese Polaritäten zwischen Dick und Dünn ausloten. “Es geht darum, den Körper zu fragmentarisieren; so als würde man Körperteile von einer übergewichtigen und einer untergewichtigen Person mixen und somit einen neuen, deformierten Körper bilden. Der Look der Kollektion wird daher von den Gegensätzen Größe/Masse versus Feinheit bzw. Leichtigkeit bestimmt”, erklärt Loreen. Gleichzeitig ließ sich die Studentin von der Stilwelt des Fallschirmspringers inspirieren. Im Rahmen des Fotoprojekts des 2. Semesters (siehe hier) inszenierte sie einen Entwurf aus ihrer experimentellen Kollektion, der sich durch überdimensionale Ausbuchtungen und Überformungen auszeichnet.

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HANNOVER  
 November 1st, 2014

Praktikum bei Peter Pilotto

 

by Franziska Sprengel

Den letzten Sommer habe ich im Rahmen meines zweiten Praktikums in London verbracht. Nach meinen Erfahrungen in New York bei Proenza Schouler (siehe hier) ging es nun zu Peter Pilotto. Ich wurde dort als Studio Intern eingestellt. Das heißt, dass ich in allen Bereichen assistieren konnte. Der große Vorteil bestand darin für mich, dass ich wegen der kleinen Größe des Unternehmens den kompletten Produktionsprozess live miterleben konnte. Vom Design und der Recherche der beiden Geschäftsführer Peter Pilotto und Christopher de Vos, über die Produktion im Haus, zur kommerziellen Produktion bis hin zum Vertrieb an Online-Shops und große Verkaufshäuser wie Saks 5th Avenue und Bergdorf Goodman.

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Das Unternehmen beschäftigt in seinem Hauptsitz im 50 de Beauvoir Crescent in dem Londoner Stadtteil Hackney etwa 50 Mitarbeiter verteilt auf die Bereiche Design, Embroidery und Print, Atelier (Näher, Zuschnitt, Technische Zeichner, Schnitttechniker), Produktion, PR, Distribution und Administration (Finanzen und Personalwesen). Insgesamt waren meine Aufgabenbereiche sehr vielfältig: Für den Designbereich habe ich z.B. für Prototypen der kommenden Frühjahr/Sommer Saison 2015 fertige Paillettensequenzen bearbeitet, mit Knoten versehen, damit fertige Schnitteile erstellt werden können. Im Bereich Embroidery habe ich einen Stoff für Musterproben in Stoffgeschäften gesucht oder Acrylglassequenzen als Handnäharbeiten befestigt und habe aus der diesjährigen Zusammenarbeit mit Swarovski die Kristalle in die dafür vorgesehenen Halterungen getan und überprüft, ob sie passen und ob Halterungen neu- oder nachgeordert werden müssen. (Peter Pilotto sind u.a. neben Mary Katrantzou und Christian Wijnants für den Swarovski Collective Prize for Innovation nominiert.)

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Im Bereich Print durfte ich mich bei der Material- und Texturentwicklung umsehen und alles für die kommende Saison mir genau angucken. Hier wurde mir erklärt, wie die Texturen entstanden sind, theoretisch und praktisch. Hauptsächlich habe ich mich mit der Herstellung von Musterproben beschäftigt. Zum einen ging es um die Fragen, wie entwickelt man Techniken, um die gefragten Muster herzustellen, wie erreicht man bestmöglich das gewünschte Aussehen. Zum anderen beschäftigte ich mich mit der Problematik, wie die bestehenden Prozesse zu optimieren sind.

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Es ist wichtig, dass man jeden Produktionsstep und die Techniken einem Fremden schnell und einfach erklären kann, so dass die Stickereien kurz vor der Show im Haus hergestellt werden können. Dabei habe ich gelernt, wie enorm wichtig in der Modebranche der Faktor Kommunikation ist.  Ständig mussten wir auch mit den Händlern und Kooperationspartnern in Indien telefonieren. Täglich wurden etappenweise diverse Rohmaterialien (Stoffe, Perlen, andere innovative Materialien) und neue Musterproben ins Ausland geschickt und dort nachgefragt, ob das vorher Gesandte angekommen ist.

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Dabei bekam ich auch die Problematiken mit dem Zoll und den Versandunternehmen hautnah mit. Abschließend kann ich sagen, dass ich bei Peter Pilotto einen fantastischen Einblick in den aktuellen Designprozess bekommen konnte. So erhielt ich die Möglichkeiten meine handwerklichen Fertigkeiten zu verbessern und meinen Horizont zu erweitern. In dem Unternehmen herrscht vor allem kurz vor der Show eine unglaublich angespannte und hektische Stimmung, denn alle stehen unter Zeitdruck. Doch ich kann nur noch mal betonen, dass die Firmengröße sehr dazu beiträgt, wie weit man während des Praktikums einen umfassenden Einblick in alle Prozesse bekommen kann.

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So bin ich im Rückblick den Mitarbeitern sehr dankbar, dass sie mir verantwortungsvolle Aufgaben übertragen haben und ich somit ein aktiver Teil des Ganzen sein konnte.

HANNOVER  
 Oktober 21st, 2014

Praktikum bei Iris van Herpen

 

By Leila Hujeirat

Den ganzen letzten Sommer habe ich in Holland bei dem Label Iris van Herpen verbracht und dort eine spannende Praktikumszeit erlebt. Daher möchte ich Euch an dieser Stelle ein wenig von meinen Erfahrungen, die ich bei der außergewöhnlichen Designerin gemacht habe, berichten. Van Herpens Atelier befindet sich am alten Hafen Amsterdams. Jeden Tag begann dort immer morgens um halb 9 die Arbeit, wenn der Nebel noch schwer über dem Meer hing. Im Durchschnitt habe ich täglich acht bis neun Stunden in van Herpens Atelier verbracht. In Ausnahmefällen, wie beispielsweise bei der Vorbereitung für den Wettbewerb Andam Award, an dem die Designerin teilnahm und den sie letztlich gewonnen hat, wurde sogar bis spät in die Nacht und “natürlich” auch am Wochenende gearbeitet. Das kleine Team, in das ich eng eingebunden wurde, bestand aus Sarah, Iris van Herpens persönlicher Assistentin, Petra, einer Schnitttechnikerin und einer weiteren Praktikantin. Dank meiner Ausbildung an der Fahmoda zur Maßschneiderin hatte ich dort die Möglichkeit, vielseitig an der Produktion beteiligt zu werden. Von Beginn an bekam ich eine große Verantwortung in den unterschiedlichsten Bereichen übertragen. Mal durfte ich im Schnittbereich die Schnitteile korrigieren, abändern und neu aufstellen. Mal wurde ich im kreativen Bereich eingebunden. So habe ich z.B. Plastik abgegossen und geschliffen. Außerdem lernte ich das Arbeiten mit einer Lasercutmaschine kennen, was für mich eine ganz neue Erfahrung war. Da das Team so klein ist, war ich natürlich als Praktikantin überall gefragt. Ganz besonders faszinierend fand ich das Arbeiten mit den unterschiedlichsten Materialien – von beschichtetem Lederimitat, über Plastik, Plexiglas bis hin zu Silikon.

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Iris van Herpens Kreativität geht weit über den Einsatz von konventionellen Materialien und Produktionsweisen hinaus. Ihre freie und unkonventionelle Arbeitsweise erschien mir sehr inspirierend. Da ich mich neben Trends und Mode auch sehr für die künstlerischen Aspekte von Kleidung interessiere, war es für mich besonders spannend und ermutigend zu sehen, dass eine Jungdesignerin, die knapp 10 Jahre älter ist als ich, inzwischen einen so großen Namen trägt und unabhängig von Mainstreamströmungen für eine einzigartige Avantgarde Mode steht. Van Herpens Arbeiten befinden sich quasi an der Schnittstelle zwischen Mode und Kunst. Vor einigen Wochen wurde schließlich ihre neue Kollektion „Magnetic Mation“ in Paris präsentiert. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt leider nicht bei der Show dabei sein konnte, da ich ab diesem Zeitpunkt bereits mit meinem zweiten Praktikum in Berlin bei Augustin Teboul begonnen habe, bin ich letztlich sehr stolz, an der Umsetzung einer solch außergewöhnlichen Kollektion mitgewirkt zu haben. Insgesamt hat mich die Arbeit mit Iris van Herpen und ihrem Team sehr inspiriert und dazu ermuntert, mit noch mehr Mut und Freiheit meine eigenen Ideen zu verfolgen und umzusetzen.

Hier eine Impression von dem Outfit (aus Plexiglas), an dem ich u.a. beteiligt war:

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