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HANNOVER  
 März 24th, 2018


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Vor zwei Wochen fand unsere Abschlussmodenschau – die Hannover Fashion Show – in der Orangerie statt. FĂŒr einen lebendigen Eindruck könnt Ihr Euch hier einige Videos von dem großartigen Event ansehen. An dieser Stelle wollen wir Euch detailliertere Einblicke in einzelne EntwĂŒrfe unserer Alumnis geben. Wir starten mit der Vorstellung einiger Absolventen, deren Kollektionen im Rahmen der Show mit Preisen prĂ€miert wurden.

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Den Sonderpreis erhielt Julia Hollnack fĂŒr ihre Arbeit “Über die Schönheit der Monotonie”. Auf den ersten Blick erscheinen Mode und Monotonie als GegensĂ€tze. Steht doch die Fashionindustrie fĂŒr permanenten Wandel und wechselnde Reize. Das Wort Monotonie ist in unserer Welt der Dauerdynamik umgangssprachlich tendenziell negativ besetzt.

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Dies war aber nicht immer so, wie Hollnack in ihrem Konzept festhĂ€lt. So versucht sie in ihrer Kollektion den Begriff Monotonie positiv umzudeuten und gleichsam mit angenehmen Empfindungen aufzuladen. Denn ursprĂŒnglich galt das Monotone als Zeichen fĂŒr Ausgeglichenheit und Schönheit. Konzeptionell hat sich Hollnack vom PhĂ€nomen des “Kaktus-Menschen” inspirieren lassen.

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In Anlehnung an die Arbeiten der Psychoanalytikerin Rotraud Perner stellt die Designerin fest, dass dieser Menschentypus in unserer heutigen von permanenten KonkurrenzkĂ€mpfen geprĂ€gten To-Go-Gesellschaft vermehrt auftaucht. Kennzeichnend fĂŒr den Kaktus-Menschen ist sein zum Teil empathieloses, verletzendes Verhalten, die sogenannten Stacheln, mit dem er sich vor BerĂŒhrungen zu schĂŒtzen versucht. Als auslösendes Moment fĂŒr die Entstehung dieses Verhalten sieht Hollnack die von Stress geprĂ€gte Alltagswelt.

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Als Gegenetwurf zu dieser Welt erkennt sie in der Monotonie und in der RĂŒckbesinnung zu Klassikern eine Möglichkeit heilsame Ruhe und Entspannung zu finden. Visuell verdeutlicht Hollnack diese Idee mit dem Aufgreifen zeitloser Kleidungsschnitte und Formensprachen, die fĂŒr Klarheit, Stilsicherheit und Eleganz stehen.

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WĂ€hrend die Designerin auf der einen Seite progressiv und ideenreich auf der Ebene der Muster und Details Elemente des Kaktus als material-, form- und farbinsprierende Inspirationen aufgreift, vermittelt sie mit den klaren und einfach gehaltenen Schnitten ihrer Kollektion ein GefĂŒhl von Ruhe, Angezogenheit und StabilitĂ€t. Es geht Hollnack darum Kleidung zu schaffen, die im wahrsten Sinne des Wortes lĂ€nger durch verschiedene Situationen des Lebens trĂ€gt als eine Saison. Mit ihrer von den 40ern und 50er Jahren inspirierten Kollektion schafft Hollnack eine Mode, die im Unterschied zu kurzlebigen Trend-PhĂ€nomen zu unterschiedlichen AnlĂ€ssen angezogen werden kann.

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HANNOVER  
 März 3rd, 2018


In einer Woche findet unsere große Hannover Fashion Show statt, auf der unsere Absolventen ihre Abschlusskollektionen prĂ€sentieren. Auch die Studierenden der zweiten und dritten Klassen werden einige spannende EntwĂŒrfe zeigen. Momentan arbeiten alle unsere Jungdesigner Tag und Nacht an der Fertigung ihrer Kreationen.

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WĂ€hrend die einen nur noch den letzten Schliff – ein paar letzte Details und Schmucktechniken – anbringen, produzieren andere bis zur letzten Sekunde noch komplett neue Outfits. Wir haben ein paar Impressionen gesammelt, um Euch erste EindrĂŒcke zu zeigen.

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… ein paar Einblicke ins Fotoshoot von Absolvent Felix MĂŒller  …

Felix MĂŒller Shoot2Entwurf von SchĂŒlerin Irina Daut (3. Klasse) …

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Zeichnung von Sofia RĂŒddenklau

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Shooting Impression von Rouven Schliemann …

Rouven SchiemannLisa Völkers Einblicke in ihre Magnetismus-Kollektion zum Oberthema “LOOP” …

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Passend zum Thema LOOP gibts auf dem Laufsteg u.a. “Floating Points” zu hören …

HANNOVER  
 Februar 25th, 2018


WĂ€hrend der Berlin Fashion Week trafen wir wie bereits erwĂ€hnt auch einige unserer Alumnis und unterhielten uns mit ihnen ĂŒber ihre aktuellen EntwĂŒrfe, Jobs und PlĂ€ne.

2017_10_KALTBLUT_01_006(Absinthe & Lavender im Kaltblut Magazine)

Julia HĂ€ußler hat letztes Jahr mit ihrer Abschlusskollektion “Absinthe & Lavender” erfolgreich ihre Ausbildung an der Fahmoda beendet. Danach ist sie nach Berlin gezogen. Was sich seitdem in ihrem Leben getan hat, erfahrt Ihr hier im Interview:

Nach deinem Abschluss hast du ja sofort ein Praktikum bei Dawid Tomaszewski begonnen. Seit einigen Monaten arbeitest du nun dort als Design-Assistentin… Ja ich stehe ihm primĂ€r beratend zur Seite. HauptsĂ€chlich leite ich die Produktion.

Und wie kam es, dass du so schnell von der Position der Praktikantin zur “rechten Hand” des Designers wechseln konntest? Nach der Fashionweek im Sommer hat die bisherige Head of Production ihre KĂŒndigung bekannt gegeben. Da wurde natĂŒrlich schnell Ersatz gesucht. Im Prinzip war es wohl eine Mischung aus Können und viel GlĂŒck.

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Wer oder was inspiriert dich? Gender is over, die SchlĂŒsselaussage meiner Abschlusskollektion, ist nach wie vor ein wichtiges Thema in meinem Leben. Ich wohne in einem Stadtteil, in dem persönliche und sexuelle Entfaltungen oft im Mittelpunkt des Lifestyle stehen. Das, womit ich mich fĂŒr meine Abschlusskollektion auseinandergesetzt habe, sehe ich jetzt jeden Tag vor der HaustĂŒr. Leute ziehen sich an, was sie wollen, und leben, wie sie wollen – dafĂŒr hat es sich schon gelohnt, nach Berlin zu kommen.

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Beschreibe einmal deinen Arbeitsalltag. Was sind deine regelmĂ€ĂŸigen Aufgaben?

Das ist schon der erste Punkt, der mir besonders gut gefĂ€llt an meinem Job – es gibt keinen Arbeitsalltag! Jeder Tag ist anders. Meine Aufgaben erweisen sich als sehr abwechslungsreich und sind abhĂ€ngig vom Zeitpunkt innerhalb des Saison-Rhythmus’. HauptsĂ€chlich geht es bei meinem Job um den Kontakt zu Lieferanten und Produzenten und das Vorbereiten und Ausliefern der Waren an die Kunden. Dazu gehören auch Messebesuche rund um die Auswahl neuer Stoffe. Gerade zum Beispiel war ich auf der Premiere Vision in Paris. Das ist interessant, aber auch anstrengend. Neben den Stores und Boutiquen, die bei uns ordern, haben wir auch Privatkundinnen bei uns im Atelier. Da kĂŒmmere ich mich zum Beispiel auch um Sonderanfertigungen und Maßkonfektionen.


Was muss man deiner Meinung nach können und mitbringen, um in diesem Job zu arbeiten?

Ich merke immer wieder, wie unwichtig hier bestimmte Titel oder AbschlĂŒsse sind. Ich fĂŒhre auch BewerbungsgesprĂ€che und achte hauptsĂ€chlich auf die Arbeiten im Portfolio und auf die fachlichen FĂ€higkeiten. Am Wichtigsten ist meiner Meinung nach die Motivation. Wenn du in diesem Bereich der Modebranche arbeiten willst, musst du wirklich dafĂŒr brennen.

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Wie werden bei euch die Kollektionen entwickelt und produziert?

Die Kollektionsentwicklung lĂ€uft hier ganz anders ab als es gewöhnlicherweise Mode-Studenten in ihrem Studium lernen, wo sie ganzheitliche Konzepte entwickeln. Hier ist alles viel schneller und stĂ€rker impulsgesteuert, weniger analytisch. Es wird kein konzeptueller Plan ausgetĂŒftelt bevor man anfĂ€ngt zu nĂ€hen. Das war fĂŒr mich anfangs ungewohnt. Aber Dawids spontaner Ansatz eröffnet auch Möglichkeiten ad hoc auf Trends, Farben und zufĂ€llige Inspirationen zu reagieren. Am Ende produzieren wir eine Masse an KleidungsstĂŒcken, die schließlich unsere Stylistin ordnen muss. Sie sorgt dafĂŒr, dass das Ganze auf dem Laufsteg in sich rund aussieht. Nach der Fashion Week starten dann die Messen, bei denen die EinkĂ€ufer ihre Order aufgeben können. Danach beginnt fĂŒr mich meine “richtige” Arbeit: Ich muss koordinieren welche Artikel bestellt wurden, die Menge der benötigten Materialien berechnen und bestellen, Worksheets und Musterteile fĂŒr die Produktion in Polen vorbereiten und dafĂŒr sorgen, dass alles seinen geregelten Gang nimmt.

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Was sind denn deiner Meinung nach die typischen Merkmale der Mode von Dawid Tomaszewski?

“More is more, less is shit” – Diesen Spruch hört man bei uns regelmĂ€ĂŸig, und er zeigt auch ganz gut, worum es hier geht. Als Kontrast zum Minimalismus heißt die Devise Opulenz, Detailreichtum, Hochwertigkeit.

Und was ist deiner Meinung nach insgesamt das Erfolgsrezept von Dawid Tomaszewski?

Neben den typischen Signature-Looks seiner Kollektionen, die vielen Frauen gefallen, sind es vielleicht zwei zentrale Punkte: Erstens geht es um soziale Intelligenz: Dawid verfĂŒgt ĂŒber ein sehr effektives Netzwerk von vielen, guten Kontakten, auf das er immer wieder zurĂŒckgreifen kann. Und zweitens kennt er seine Zielgruppe ganz genau und kann ein GefĂŒhl dafĂŒr entwickeln, was fĂŒr BedĂŒrfnisse und AnsprĂŒche sie an Kleidung und das ganze Drumherum stellt bzw. was sie von einem Modelabel erwartet. Er findet die richtige Ansprache fĂŒr seine Kundinnen.

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Gerade war ja die Berlin Fashionweek. Welche Orte, Messen und Designer neben D.T. findest du in der aktuellen Saison besonders spannend?

Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich einfach treiben lassen. Nicht nur anlĂ€sslich der Fashionweek gibt es ja an jeder Ecke spannende Pop Up Events und Ausstellungen. Gerade, wenn man networken will, sollte man zu unterschiedlichen Veranstaltungen (in den Bereichen Kunst, Mode, Film oder Musik) gehen. Sonst trifft man immer dieselben Gesichter. Mein persönlicher Lieblingsspot zur Zeit: der Ge03 Concept Store auf der Rosenthaler Straße. Sam (auch Fahmoda Alumni) und Thomas schaffen es, im fast schon krampfhaft stylish wirkenden Stadtteil Mitte fĂŒr ein StĂŒck individuelle Persönlichkeit zu sorgen.

Hast du noch Kontakt zu anderen Fahmoda-Alumnis?

Ja teilweise, hauptsĂ€chlich zu Leuten aus vorherigen JahrgĂ€ngen. Es ist immer gut Erfahrungen austauschen und sich Rat zu holen – das hat mir bisher sehr geholfen.

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Was hat dir in der Ausbildung an der FAHMODA besonders gefallen?

Der umfassende und vielseitige Stundenplan. Ohne die handwerkliche Ausbildungsseite hĂ€tte ich meinen Job vielleicht nicht bekommen. Denn ich sitze nicht nur am Schreibtisch, sondern ich muss auch aktiv im Atelier mitwirken oder Anweisungen geben. Alles in allem war die Ausbildung fĂŒr mich persönlich genau das Richtige. Ich habe Grundwissen ĂŒber die verschiedensten Bereiche der Mode bekommen und kann jetzt vertiefen, was fĂŒr mich im Beruf wichtig ist.

Und welche Erfahrungen haben dich bisher auf deinem Weg als “Designerin“ weitergebracht?

Jede Fashionweek, die ich wĂ€hrend und nach meiner Zeit an der FAHMODA mitgemacht habe, egal in welcher Position, ob als Besucherin, als Hilfskraft oder als Praktikantin, war hilfreich fĂŒr mich. Ich habe sowohl als Dresser Backstage gearbeitet oder auch als Messehostess als auch als Designerin und als Design-Assistenz. Alle diese praktischen Erfahrungen haben mir am meisten geholfen, weil ich umfassende Einblicke in unterschiedliche Seiten der Branche bekommen habe. Aber auch vermeintlich negative Erfahrungen helfen einem bei der Entwicklung weiter. Manchmal dauert es nur lĂ€nger, bis man es auch erkennt.

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Und nun die letzte obligatorische Frage: Was stellst du dir fĂŒr deine Zukunft vor bzw. welche PlĂ€ne hast du?

Erstmal möchte ich natĂŒrlich so lange wie möglich Erfahrungen in meinem Job sammeln. Vielleicht studiere ich spĂ€ter aber auch noch mal. Ich möchte mich auf jeden Fall weiterentwickeln. Auch das Theater als Arbeitsbereich reizt mich nach wie vor. Es bleibt also spannend.

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Im Rahmen der Fashionweek hat auch wieder Danny Reinke seine aktuelle Kollektion prĂ€sentiert. Wir haben ihn besucht und gefragt, worum es in seiner aktuellen Arbeit fĂŒr die kommende Saison geht.

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Was ist das Besondere an deiner neuen Kollektion? Die Kombination aus straighter Sachlichkeit und rauschhafter FeminitĂ€t ist typisch fĂŒr meine Mode und spielt auch in der kommenden Saison eine große Rolle: TĂŒll meets UniformitĂ€t, maskuline AnzĂŒge treffen auf florale Muster. In meinen Outfits können sich Frauen theatralisch in Szene setzen, sehen dabei aber nicht zu verrĂŒscht oder verkleidet aus. Es geht bei allem um eine souverĂ€ne ModernitĂ€t und eine lĂ€ssige Eleganz. NatĂŒrlich steht die hochwertige Verarbeitung im Vordergrund. Der Couture-Gedanke spielt immer eine Rolle. Ich denke, dass die Frage, was die typische Danny Reinke DNA ist, letztendlich meine Kundinnen am besten beantworten können.

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Und wer sind deine Kundinnen? Wer trÀgt aktuell deine Outfits?

Meine Outfits tragen oft Frauen, die etwas Besonderes fĂŒr einen speziellen Abend, ein Event oder eine große Gala suchen. Bisher traten schon Marina The Moss oder auch Veronica Ferres in meinen Kleidern auf. Auf der letzten Berlinale standen die Moderatorin Selma ÜsĂŒk und die Schauspielerin Jennifer Ulrich in meinen EntwĂŒrfen auf dem roten Teppich.

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(Jennifer Ulrich)

Welche Teile verkaufen sich bisher am besten?

Unsere Seidenblusen werden bisher sehr gut angenommen. Aber auch bei den Hosen und MÀnteln steigt die Nachfrage. Hin und wieder möchten Kundinnen auch gern ein customized Brautkleid haben.

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(Selma ÜsĂŒk)

Wo kann man Danny Reinke aktuell erwerben?

Uns gibt es ab MĂ€rz online unter Showroom sowie im LNFA Store im Bikini Berlin.

Du unterrichtet ja auch bei uns an der Fahmoda. Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, was junge Modestudierende heute lernen und mitbringen mĂŒssen?

Das Wichtigste ist neben Talent auf jeden Fall Fleiß gepaart mit Ehrgeiz. Man sollte an sich glauben und nicht aufgeben. Ehrlich gesagt ist das Haifischbecken “Modeindustrie“ groß und rappel voll! Niemand wartet dort auf das nĂ€chste große Designergenie. Vielmehr braucht man Biss, Durchhaltevermögen, und man muss seine Nische finden. Klar ist auch, dass man auf diesem sehr spannenden Weg mitunter Fehler macht. Diese sind meiner Meinung nach auch wichtig, um sich weiterzuentwickeln. Vorausgesetzt, man lernt daraus. Man sollte fĂŒr Kritik offen sein und sich nicht von jedem kleinen Gegenwind sofort entmutigen lassen.

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Wie sehen deine PlĂ€ne fĂŒr die nĂ€chsten Monate aus?

Der Verkauf auf verschiedenen Plattformen nimmt viel Zeit in Anspruch. Die Sommerkollektion ist bereits in Planung, und wir ziehen in ein grĂ¶ĂŸeres Atelier um. Es gibt immer viel zu tun, Step by Step gehts weiter voran.