WOOF WOOF
HANNOVER  
 November 18th, 2014


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Wenn von Mode die Rede ist, dann geht es immer um K√∂rper. Sch√∂ne und h√§ssliche K√∂rper, sportliche und unsportliche K√∂rper, dicke und d√ľnne K√∂rper ‚Äst und nat√ľrlich auch um textile Kategorien wie Konfektionsgr√∂√üen oder die K√∂rperver√§nderungen durch Polsterungen, Schn√ľrungen oder Volumen, die neue Silhouetten schaffen. Wir selbst sind das, was wir sind, durch unseren K√∂rper. Mit ihm dr√ľcken wir nicht nur unsere Identit√§t und Individualit√§t, sondern auch unsere Kultur aus. “Und diese Kultur ist momentan von gro√üen Extremen gepr√§gt”, sagt Fahmoda Studentin Loreen B√∂cking. “Auf der einen Seite sind wir umgeben von XXL-Men√ľs, All Inclusive und All-you-can-eat- Angeboten und auf der anderen Seite begegnen wir immer schlankeren Models und der XS-Skinny-Mode in der Medienwelt.”

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Mit ihrer ersten Kollektion, die Loreen w√§hrend des 2. Semesters entworfen hat, m√∂chte sie diese Polarit√§ten zwischen Dick und D√ľnn ausloten. “Es geht darum, den K√∂rper zu fragmentarisieren; so als w√ľrde man K√∂rperteile von einer √ľbergewichtigen und einer untergewichtigen Person mixen und somit einen neuen, deformierten K√∂rper bilden. Der Look der Kollektion wird daher von den Gegens√§tzen Gr√∂√üe/Masse versus Feinheit bzw. Leichtigkeit bestimmt”, erkl√§rt Loreen. Gleichzeitig lie√ü sich die Studentin von der Stilwelt des Fallschirmspringers inspirieren. Im Rahmen des Fotoprojekts des 2. Semesters (siehe hier) inszenierte sie einen Entwurf aus ihrer experimentellen Kollektion, der sich durch √ľberdimensionale Ausbuchtungen und √úberformungen auszeichnet.

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HANNOVER  
 November 12th, 2014


Schädelspalter

Im aktuellen Uni-Extraheft des Hannoveraner Stadtmagazins Sch√§delspalter k√∂nnt Ihr einen gro√üen Artikel √ľber unsere Akademie lesen. Au√üerdem gibt unsere Direktorin Karin Lilienthal ein Interview √ľber ihr Konzept und ihre Visionen f√ľr die Zukunft. Hier ein paar Ausz√ľge:
Welche Fertigkeiten ‚Äď au√üer den handwerklichen ‚Äď muss sich ein Modedesigner Ihrer Meinung nach aneignen, um in der Berufswelt zu bestehen?
Wer bei uns eine Ausbildung beginnt, muss nicht n√§hen k√∂nnen. Alle Fertigkeiten werden in den ersten vier Semestern vermittelt. Als Modedesigner sollte man ein sehr gutes Gesp√ľr f√ľr Farben, Formen und Schnitte mitbringen. Au√üerdem ist es hilfreich, wenn man neugierig ist und ein Gef√ľhl f√ľr kommende Trends und Bed√ľrfnisse der Menschen entwickelt. Nicht zuletzt sind soziale Kompetenzen wie Kommunikationsf√§higkeit, Teamf√§higkeit, Selbstst√§ndigkeit und Organisationsf√§higkeit sehr wichtig.

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Welche Leitlinie verfolgen Sie als Direktorin?
Die Fahmoda steht vor allem f√ľr handwerkliche und k√ľnstlerische Professionalit√§t. Unsere Studenten werden sowohl theoretisch als auch praktisch intensiv geschult, wobei u.a. ein Schwerpunkt die gesellschaftliche Entwicklung ist, z.B. Nachhaltigkeit, demografischer Wandel etc.. Insgesamt aber ist die Fahmoda auf die h√∂chstm√∂gliche Indidvidualisierung des Einzelnen ausgerichtet und erm√∂glicht den Absolventen einen guten und soliden Einstieg in die Berufswelt.

Was planen Sie f√ľr die Zukunft?
Ein wichtiger Part unserer Ausbildung ist der Bereich Nachhaltigkeit/Green Fashion, auf den wir uns weiterhin spezialisieren werden. Ein sehr komplexes Thema. Au√üerdem sind wir in Kontakt mit verschiedenen Modeunternehmen und unseren Absolventen. Stets passen wir unsere Lehre an die zuk√ľnftigen Anforderungen der Modebranche an.

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Was fasziniert Sie an der Mode?
Mode ist ein h√∂chst artifizielles und komplexes Kommunikationssystem. Sie ist eine wichtige Form unserer Kultur, die ernst genommen und wertgesch√§tzt werden sollte. Auch wenn die Mode selbst oft ironisch und humorvoll daher kommt, ist sie ganz und gar nicht oberfl√§chlich. Sie erz√§hlt oft viel mehr √ľber unsere Gesellschaft als ein langer Text. Sie hat mit unseren Bed√ľrfnissen, Sehns√ľchten, unseren Vorstellungen von Reichtum und Armut, Erotik, Sch√∂nheit und von M√§nnlich- und Weiblichkeit zu tun. Mode ist ein weites Feld ‚Äď und es macht mir Spa√ü, mich beruflich auf diesem Feld zu bewegen.

HANNOVER  
 November 1st, 2014


by Franziska Sprengel

Den letzten Sommer habe ich im Rahmen meines zweiten Praktikums in London verbracht. Nach meinen Erfahrungen in New York bei Proenza Schouler (siehe hier) ging es nun zu Peter Pilotto. Ich wurde dort als Studio Intern eingestellt. Das hei√üt, dass ich in allen Bereichen assistieren konnte. Der gro√üe Vorteil bestand darin f√ľr mich, dass ich wegen der kleinen Gr√∂√üe des Unternehmens den kompletten Produktionsprozess live miterleben konnte. Vom Design und der Recherche der beiden Gesch√§ftsf√ľhrer Peter Pilotto und Christopher de Vos, √ľber die Produktion im Haus, zur kommerziellen Produktion bis hin zum Vertrieb an Online-Shops und gro√üe Verkaufsh√§user wie Saks 5th Avenue und Bergdorf Goodman.

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Das Unternehmen besch√§ftigt in seinem Hauptsitz im 50 de Beauvoir Crescent in dem Londoner Stadtteil Hackney etwa 50 Mitarbeiter verteilt auf die Bereiche Design, Embroidery und Print, Atelier (N√§her, Zuschnitt, Technische Zeichner, Schnitttechniker), Produktion, PR, Distribution und Administration (Finanzen und Personalwesen). Insgesamt waren meine Aufgabenbereiche sehr vielf√§ltig: F√ľr den Designbereich habe ich z.B. f√ľr Prototypen der kommenden Fr√ľhjahr/Sommer Saison 2015 fertige Paillettensequenzen bearbeitet, mit Knoten versehen, damit fertige Schnitteile erstellt werden k√∂nnen. Im Bereich Embroidery habe ich einen Stoff f√ľr Musterproben in Stoffgesch√§ften gesucht oder Acrylglassequenzen als Handn√§harbeiten befestigt und habe aus der diesj√§hrigen Zusammenarbeit mit Swarovski die Kristalle in die daf√ľr vorgesehenen Halterungen getan und √ľberpr√ľft, ob sie passen und ob Halterungen neu- oder nachgeordert werden m√ľssen. (Peter Pilotto sind u.a. neben Mary Katrantzou und Christian Wijnants f√ľr den Swarovski Collective Prize for Innovation nominiert.)

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Im Bereich Print durfte ich mich bei der Material- und Texturentwicklung umsehen und alles f√ľr die kommende Saison mir genau angucken. Hier wurde mir erkl√§rt, wie die Texturen entstanden sind, theoretisch und praktisch. Haupts√§chlich habe ich mich mit der Herstellung von Musterproben besch√§ftigt. Zum einen ging es um die Fragen, wie entwickelt man Techniken, um die gefragten Muster herzustellen, wie erreicht man bestm√∂glich das gew√ľnschte Aussehen. Zum anderen besch√§ftigte ich mich mit der Problematik, wie die bestehenden Prozesse zu optimieren sind.

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Es ist wichtig, dass man jeden Produktionsstep und die Techniken einem Fremden schnell und einfach erklären kann, so dass die Stickereien kurz vor der Show im Haus hergestellt werden können. Dabei habe ich gelernt, wie enorm wichtig in der Modebranche der Faktor Kommunikation ist.  Ständig mussten wir auch mit den Händlern und Kooperationspartnern in Indien telefonieren. Täglich wurden etappenweise diverse Rohmaterialien (Stoffe, Perlen, andere innovative Materialien) und neue Musterproben ins Ausland geschickt und dort nachgefragt, ob das vorher Gesandte angekommen ist.

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Dabei bekam ich auch die Problematiken mit dem Zoll und den Versandunternehmen hautnah mit. Abschließend kann ich sagen, dass ich bei Peter Pilotto einen fantastischen Einblick in den aktuellen Designprozess bekommen konnte. So erhielt ich die Möglichkeiten meine handwerklichen Fertigkeiten zu verbessern und meinen Horizont zu erweitern. In dem Unternehmen herrscht vor allem kurz vor der Show eine unglaublich angespannte und hektische Stimmung, denn alle stehen unter Zeitdruck. Doch ich kann nur noch mal betonen, dass die Firmengröße sehr dazu beiträgt, wie weit man während des Praktikums einen umfassenden Einblick in alle Prozesse bekommen kann.

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So bin ich im R√ľckblick den Mitarbeitern sehr dankbar, dass sie mir verantwortungsvolle Aufgaben √ľbertragen haben und ich somit ein aktiver Teil des Ganzen sein konnte.