WOOF WOOF
HANNOVER  
 April 2nd, 2018


Leila 1

Von der Kulturgeschichte und Ă„sthetik des Olivenbaums hat sich unsere Absolventin Leila Hujeirat inspirieren lassen. FĂĽr ihre artifizielle Abendkollektion hat sie bei unserer Hannover Fashion Show den zweiten Preis gewonnen.

Olivenbaum

Hujeirats Mode besticht vor allem durch ein hohes sensibles Verständnis für kunstvolle Strukturen, Musterverläufe und Farbschattierungen. So greift die Designerin auf verschiedenen Ebenen der textilen Gestaltung die Formensprache des Olivenbaums auf.

Leila 2

Während die schimmernden Seiden und Schmuckelemente der Kollektion die silber im Sonnenlicht flirrenden Blätter der Pflanze widerspiegeln, erinnern die plissierten Stoffe und gepatchten Wollen an die Borke und den knorrigen Stamm des Baums.

Coat Leila

Leila 4

Zugleich greift die Designerin auch die mit der Olive verbundenen Mythen und Sagen in ihrer Arbeit auf.

Leila LeilaVon der Antike bis hin zum 19. Jahrhundert stand der Baum zum einen für Weiblichkeit, zum anderen aber auch für Licht und Göttlichkeit. Vor diesem Hintergrund finden sich in der Kollektion verschiedene Roben, die an die Gewänder antiker Götterstatuen erinnern oder die die sogenannten weiblichen Rundungen subtil zu unterstreichen scheinen.

show leila

Vor allem aber kommuniziert Hujeirat mit ihrem Verweis auf die metapharoische Bedeutung der Olive implizit auch eine politische Botschaft, indem sie neben vielen anderen Autoren und KĂĽnstlern Shakespeare zitiert: “And peace proclaims olives of endless age“. Denn der Olivenbaum symbolisiert nicht nur Feminität, Weisheit und Göttlichkeit, sondern auch Hoffnung und Frieden. Eine appellative Botschaft, die nicht nur zu Ostern, sondern auch angesichts zahlreicher aktueller Konflikte perfekt in unsere Gegenwart zu passen scheint.

HANNOVER  
 März 29th, 2018


Felix MĂĽller 1

Auf unserer Modenschau – der Hannover Fashion Show – gewann unser Absolvent Felix MĂĽller den 1. Preis. Seine Abschlusskollektion “FMxRM – aw18/19″ brilliert nicht nur durch eine gut durchdachte, futuristische Formensprache, sondern auch durch hochwertig verarbeitete Details und Schnitte. MĂĽller collagiert mit seinen Männer-Outfits Moden, Muster und Materialien aus verschiedenen Milieus und Kontexten zu neuen spannenden Ensembles zusammen. Nichts ĂĽberlässt er dem Zufall. Von perfekt ziselierten Halsausschnitten, präzise gearbeiteten Stoffkombinationen bis hin zu cleveren Verschluss-Möglichkeiten und Taschen erscheint jedes Detail konzeptuell durchdacht.

Tasche MĂĽller

Da finden sich Zitate aus der Working-Wear oder aus dem Military-Bereich sowie Referenzen aus der Sportbekleidung. So entstehen neue Hybridoutfits wie etwa die weiße Outdoor-Jacke, die einerseits den Reverskragen und asymmetrischen Reißverschluss einer klassischen Biker-Jacke aufweist, andererseits aber auch Schnitt-Elemente aus der Race- und Astronautenwelt erkennen lässt.

Jacke Detail

Konzeptuell will MĂĽller mit seiner Kollektion ein eskapistisches Lifestyle-GefĂĽhl ausdrĂĽcken. Es geht dabei um die Sehnsucht an einen Ort der Schwerelosigkeit zu fliehen, der als Gegenwelt zum durchgetakteten Arbeitsalltag empfunden wird. MĂĽllers kosmische Space-Traveller fĂĽhlen sich gleichsam nirgends zu Hause.

Felix Zusammen

Sie flüchten vor Fixierungen und befinden sich im permanenten Schwebezustand zwischen Erde und Mond, Geborgenheit und Freiheit. Diese Männer sind übersensible Nomaden der Moderne, die ihre aus der Sport- und Militärsphäre stammende Mode wie eine Rüstung tragen, die ihr fragiles Inneres vor Anfechtungen und Angriffen zu schützen scheint.

Space Felix

Insgesamt ĂĽberzeugt MĂĽllers Kollektion durch eine abwechslungsreiche Mischung von kĂĽnstlerischen Statement-Looks und tragbaren Outfits, die sich sofort in den Alltag ĂĽbersetzen lassen.

Konzept MĂĽller

HANNOVER  
 März 24th, 2018


Hollnack 7

Vor zwei Wochen fand unsere Abschlussmodenschau – die Hannover Fashion Show – in der Orangerie statt. Für einen lebendigen Eindruck könnt Ihr Euch hier einige Videos von dem großartigen Event ansehen. An dieser Stelle wollen wir Euch detailliertere Einblicke in einzelne Entwürfe unserer Alumnis geben. Wir starten mit der Vorstellung einiger Absolventen, deren Kollektionen im Rahmen der Show mit Preisen prämiert wurden.

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Den Sonderpreis erhielt Julia Hollnack fĂĽr ihre Arbeit “Ăśber die Schönheit der Monotonie”. Auf den ersten Blick erscheinen Mode und Monotonie als Gegensätze. Steht doch die Fashionindustrie fĂĽr permanenten Wandel und wechselnde Reize. Das Wort Monotonie ist in unserer Welt der Dauerdynamik umgangssprachlich tendenziell negativ besetzt.

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Dies war aber nicht immer so, wie Hollnack in ihrem Konzept festhält. So versucht sie in ihrer Kollektion den Begriff Monotonie positiv umzudeuten und gleichsam mit angenehmen Empfindungen aufzuladen. Denn ursprĂĽnglich galt das Monotone als Zeichen fĂĽr Ausgeglichenheit und Schönheit. Konzeptionell hat sich Hollnack vom Phänomen des “Kaktus-Menschen” inspirieren lassen.

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In Anlehnung an die Arbeiten der Psychoanalytikerin Rotraud Perner stellt die Designerin fest, dass dieser Menschentypus in unserer heutigen von permanenten Konkurrenzkämpfen geprägten To-Go-Gesellschaft vermehrt auftaucht. Kennzeichnend für den Kaktus-Menschen ist sein zum Teil empathieloses, verletzendes Verhalten, die sogenannten Stacheln, mit dem er sich vor Berührungen zu schützen versucht. Als auslösendes Moment für die Entstehung dieses Verhalten sieht Hollnack die von Stress geprägte Alltagswelt.

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Als Gegenetwurf zu dieser Welt erkennt sie in der Monotonie und in der Rückbesinnung zu Klassikern eine Möglichkeit heilsame Ruhe und Entspannung zu finden. Visuell verdeutlicht Hollnack diese Idee mit dem Aufgreifen zeitloser Kleidungsschnitte und Formensprachen, die für Klarheit, Stilsicherheit und Eleganz stehen.

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Während die Designerin auf der einen Seite progressiv und ideenreich auf der Ebene der Muster und Details Elemente des Kaktus als material-, form- und farbinsprierende Inspirationen aufgreift, vermittelt sie mit den klaren und einfach gehaltenen Schnitten ihrer Kollektion ein Gefühl von Ruhe, Angezogenheit und Stabilität. Es geht Hollnack darum Kleidung zu schaffen, die im wahrsten Sinne des Wortes länger durch verschiedene Situationen des Lebens trägt als eine Saison. Mit ihrer von den 40ern und 50er Jahren inspirierten Kollektion schafft Hollnack eine Mode, die im Unterschied zu kurzlebigen Trend-Phänomen zu unterschiedlichen Anlässen angezogen werden kann.

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