Vor ein paar Wochen haben wir während der Berlin Fashionweek die ehemalige Fahmoda-Studentin Katharina Kaiser (30) im Green Showroom besucht. Katharina hat vor fünf Jahren ihren Abschluss gemacht. Nach einigen Stationen in verschiedenen Unternehmen möchte sie nun mit ihrer eigenen Firma durchstarten. Wir haben ihr ein paar Fragen über ihre Karriere und ihr eigenes Label gestellt. Was sie uns geantwortet hat, erfahrt Ihr hier im Interview:

Was hat Dir am Studium an der Fahmoda besonders gefallen?
Die Freiheit seine Kreativität auszuleben. Durch das Arbeiten mit ungewöhnlichen Materialien wurde das Vermögen “um die Ecke zu denken” und neue Lösungswege zu finden stark geschult.
Was hast Du nach Deinem Abschluss an der Fahmoda gemacht?
Ich habe erst mal gleich nach der Abschlussmodenschau als Bekleidungstechnikerin bei einem Label in Berlin angefangen und danach als Junior Designerin bei Signum in Niedersachsen gearbeitet. Dann ging es wieder zurück nach Berlin zu dem tollen Label „realitystudio“. Dort habe ich mich quasi als “Mädchen für alles” um Schnitte, Erstmuster, Versand, Gradierungen und Messen gekümmert. Später war ich in Celle bei OneTouch aus der CBR Group als Product Developer mit dem Schwerpunkt “woven und Asien” tätig.
Wie kamst Du auf die Idee, ein eigenes Label zu starten?
Wie viele habe ich schon davon geträumt, bevor ich überhaupt angefangen hatte Modedesign zu studieren. Und während meines Arbeitslebens keimte der Wunsch nach Selbstständigkeit immer mal wieder auf. Und nun, nachdem ich im letzten Jahr 30 geworden bin, wage ich den Sprung ins kalte Wasser.
Wofür steht das Label “Katharina Kaiser” und wovon lässt Du Dich inspirieren?
Mir geht es in erster Linie um hohe Qualitätsansprüche sowohl was die Materialauswahl als auch die Verarbeitung anbelangt. Dazu kommt der Nachhaltigkeitsaspekt. Die Stoffe werden so ausgewählt, dass die Lieferkette vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt transparent und nachvollziehbar ist. Als Kooperationspartner sind mir da kleine Unternehmen natürlich lieber als große Konzerne. Die Stoffe werden möglichst lokal oder in der Nähe von Deutschland eingekauft, damit unnötige Transportwege vermieden werden. Meine Ideen für Entwürfe kommen mir eigentlich mit dem ersten Griff in den Stoff. Natürlich inspirieren mich im Vorfeld viele Dinge – Waldspaziergänge, Filme, Musik, andere Designer, Blogger, Kunst und Theater. Aber meist entsteht die klare Idee für die Kollektion erst während des Arbeitsprozesses.
Was ist das Besondere an Deiner Kollektion?
Der InkJet Druck auf meinen Hosen und Blusen ist ein Baumrinden-Print und GOTS zertifiziert, was derzeit noch einmalig in der Welt ist. Außerdem habe ich hauptsächlich Stoffe aus Naturfasern verwendet: reine Schurwolle, ein Walkstoff aus Merino extra fine, Leinenjersey und Biobaumwolle. Alle Materialien sind entweder GOTS oder Ökotex zertifiziert. Gefärbt wurde ausschließlich mit Extrakten aus Schwarztee und Beerensaft.

Warum machst Du nachhaltige Mode?
Als modeinteressierter Mensch weiß man ja, unter welchen Umständen in der Welt die meisten Kleidungsstücke produziert werden. Ich möchte einfach nicht mehr von dem Leid und der Not anderer profitieren, indem ich möglichst billig hergestellte Mode anbiete oder selbst angeboten bekomme. Mir war von Anfang an klar, dass ich möglichst lokal arbeiten und das hohe handwerkliche Know-How in Deutschland und in den Anrainerstaaten nutzen möchte. Es gibt hier eine hohe Qualität was die Herstellung von Stoffen als auch die Weiterverarbeitung anbelangt.
Wie sieht der Produktionsprozess für Deine Kollektion aus? Machst Du alles selbst?
Nein, das würde zeitlich gar nicht funktionieren und auch meinen Qualitätsansprüchen nicht genügen, wenn ich die Produktion selbst übernehmen würde. Die Erstmuster mache ich selbst. Aber die georderten Artikel gehen dann in Produktion in Deutschland.
Wie war in Berlin die Resonanz auf Deine Outfits?
Sehr gut. Ich hab es gar nicht für möglich gehalten, dass gerade am Anfang so ein reges Interesse an meiner Kollektion herrschen würde. Dazu muss ich natürlich auch sagen, dass die Materialien wirklich toll sind und für sich sprechen. Aber ich war wirklich positiv überrascht; sowohl unsere Teilnahme beim Green Showroom als auch auf der Innatex war erfolgreich. Mein Start in die Selbständigkeit wurde durch die herzliche Annahme des Publikums wirklich leicht gemacht.
Und wo kann man Deine Mode erwerben?
Bisher ist die Order noch nicht abgeschlossen und deshalb möchte ich jetzt ungern schon Namen nennen. Aber ab Juli kann man auf meiner Homepage lesen in welchen stationären und welchen Onlineshops meine Mode zu finden ist.
Wer ist Dein modisches Vorbild?
Schwierig. Es gibt so viele Menschen, die tolle Arbeiten leisten und mich damit inspirieren. Magdalena Schaffrin wäre zum Beispiel als Vorbild zu nennen, da sie als eine Vorreiterin in der ECO-High Fashion-Szene gilt. Das absolute MODISCHE Vorbild ist für mich die bereits verstorbene Isabella Blow, da sie eine unglaubliche Unabhängigkeit verkörpert hat. Sie lebte Mode als Freiheit und Spiel.

Und was empfiehlst Du den jungen Modedesignstudenten und den diesjährigen Absolventen?
Auf jeden Fall erst einmal raus mit Euch auf den Arbeitsmarkt! Auch wenn es nicht immer leicht ist und nicht immer Spaß macht, dort geht das Lernen erst richtig los. Bevor man überlegt sich selbstständig zu machen, sollte man definitiv verschiedene Erfahrungen gesammelt haben.
Zu guter Letzt – was wünscht Du Dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir jetzt erstmal einen guten ersten Orderschluss im Februar und natürlich, dass ich auf der Fabric Start schöne neue Materialien für die Sommerkollektion finde. Ansonsten wünsche ich mir, dass mein Label langsam aber stetig wächst und ich viele Menschen mit meiner Mode erfreuen kann.














