Category: Fahmoda Absolventen
HANNOVER  
 August 22nd, 2010

Fahmoda Absolventen auf der Spur (4)

 

Anne Zorn (25) hat 2008 ihren Abschluss an der Fahmoda gemacht. Nach der Ausbildung und einigen Praktika hat sie ihr eigenes Label gegründet. Wir haben ihr ein paar Fragen dazu gestellt.Matrosencape_webklein

Wie kamst Du auf die Idee, ein eigenes Atelier zu eröffnen?

Ich habe während der Ausbildung sehr schnell gemerkt, dass mich eine “klassische“ Karriere in einer Firma überhaupt nicht reizt und nach einem Praktikum in einer Kostümwerkstatt eines Berliner Theaters habe ich auch die Möglichkeit des Kostümdesigns erstmal verworfen bzw. hinten angestellt. So blieb die Selbstständigkeit gewissermaßen als logischer Schluss übrig.

Wo kann man Deine Entwürfe erwerben?
In meinem Atelier, das auch als “Showroom“ dient, kann man immer donnerstags von 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr Teile aus meiner Kollektion kaufen. Da das Atelier aber etwas versteckt auf einem Hinterhof liegt, gilt es noch als ein Geheimtipp. Ansonsten ist eine kleine “Online-Kollektion“ in Arbeit, die man bald über die Seite www.rockXanne.de erwerben kann. Einige ausgesuchte Einzelstücke gibt es außerdem im Designkombinat auf dem Engelbosteler Damm in Hannover zu kaufen.

Was bedeutet der Name Deines Labels “rockXanne”?
Der Name rockXanne entstand im ersten Jahr meiner Ausbildung als Wortspiel aus „Rock“ und meinem Namen. Ich liebe sowohl Rockmusik als auch die Herstellung von Röcken. Den berühmten Policesong hatte ich da gar nicht im Hinterkopf – aber ich finde ihn klasse!

Wovon lässt Du Dich inspirieren? Von allem, was mich umgibt und was ich jeden Tag sehe und erlebe. Ich entwerfe sehr intuitiv und spontan und kann hinterher unmöglich sagen, wo die Ideen genau herkamen.
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Deine Arbeiten sind sehr farbenfroh. Gemeinhin sagt man ja, dass vor allem die Norddeutschen eher eine reduzierte Farbpalette bevorzugen. Wer sind Deine Kundinnen, wen sprichst Du mit Deinen Outfits an?
Der Farbenrausch meiner aktuellen Kollektion hat mich selbst überrascht. Wahrscheinlich kommt es daher, dass ich mich nach einigen “tiefschwarzen” Jahren in der Gothicszene so richtig austoben musste und die “Freiheit“ der vielen Farben genieße. Ich bin selbst oft überrascht, wie gut die Sachen quer durch alle Altersklassen ankommen. Ich glaube, wir Norddeutschen sind gar nicht so trist, wie immer alle glauben. Ich entwickle Kleidung, in der ich mich wohlfühle und glücklicherweise scheint das auch vielen anderen Menschen so zu gehen.

Gibt es Best-Seller? Ja, meine Sweat- bzw. Walkjacken.

Mit welchen Materialien arbeitest Du? Am liebsten mit Naturmaterialien: Baumwollsweater, Walkloden etc..
Genauso gern verarbeite ich aber auch Vintagestoffe. Die werden dann oft zu Einzelstücken verarbeitet, die es z.B. im Designkombinat zu kaufen gibt.

Wie ist die Resonanz auf Deine Arbeit? Die Resonanz ist durchweg positiv, aber es kann schon frustrierend sein, wenn immer alle alles schön finden, aber wenig Leute genug Geld haben, die Teile dann auch zu kaufen. Insofern jobbe ich immer noch nebenher.

Hast Du irgendwelche Vorbilder?
Ich mag gern die Sachen von Blutsgeschwister, auch wenn mir dort manches im Detail oft ein bisschen zu “over the top“ ist.

Pinkes Kleid_webklein Inwieweit orientierst Du Dich an aktuellen Trends? Gar nicht, zumindest nicht bewusst. Wenn mir etwas gefällt, greife ich das gern auf. Aber ansonsten genieße ich es, mein eigenes Ding machen zu können.

Was empfiehlst Du den jungen Modedesignstudenten und den diesjährigen Absolventen?
Sich nach dem Abschluss unbedingt eine Auszeit zu  nehmen und einmal ganz tief in sich zu gehen. Ich habe gleich “weitergepowert“ und habe das gesundheitlich sehr heftig zu spüren bekommen.

Und Deine Pläne und Wünsche für die Zukunft? Mein Unternehmen soll so erfolgreich sein, dass ich davon bald entspannt leben kann. Alles andere wird sich dann finden. Da bin ich ganz optimistisch.

HANNOVER  
 August 11th, 2010

Impressionen vom Ramazzotti Runway Award

 

Fahmoda-Absolventin Nicole Brejnholt präsentierte ihre Kollektion ja auf der letzten Berlin Fashionweek als Finalistin des Ramazzotti Runway Awards. Für einen kleinen Eindruck von dem Event gibts hier ein Video:

HANNOVER  
 Juni 25th, 2010

Fahmoda-Absolventen auf der Spur (3)

 

melanieMelanie Weigel (21) hat 2009 erfolgreich ihren Abschluss an der Fahmoda Akademie gemacht. Für ihre Kollektion “Waists and Heels”, die von dem Look der Pin-Ups der 30er und 40er Jahre inspiriert war, bekam sie ein großes Pressefeedback. Seitdem entwarf und fertigte sie für diverse Künstler, Entertainer und Privatkunden Outfits und Kostüme. Inzwischen hat sie jedoch ihr eigenes Label “Van Rolt” gegründet. Wie es ihr mit der eigenen Firmengründung geht, worauf sie besonderen Wert legt und wo sie in Hannover am liebsten ausgeht, erfahrt Ihr im folgenden Interview:

Was hast Du im Laufe des letzten Jahres nach Deinem Abschluss gemacht?
Nach meinem Abschluss haben Leute aus ganz Deutschland angerufen, weil sie sich etwas von mir fertigen lassen wollten. Ich war deswegen viel unterwegs und oft in Hamburg, hatte aber kaum Zeit für eigene Projekte. Deshalb nehme ich seit Anfang 2010 keine Aufträge mehr an, da ich mein eigentliches Ziel nicht aus den Augen verlieren wollte – ein eigenes Label zu gründen.

Das hast Du ja jetzt geschafft. Dein Label heißt “Van Rolt”. Wie kamst Du auf den Namen und was bedeutet er?
“Van” ist ein typischer Teil eines holländischen Nachnamens. Mit Holland verbinde ich immer etwas Lässiges und Bodenständiges und diese Werte sollen sich auch in meiner Kollektion widerspiegeln. “Rolt” ist meiner Phantasie entsprungen und ließe sich vom Verb “rollen” ableiten. Ich wollte sozusagen den Stein endlich ins Rollen bringen. Stillstand ist etwas, das mir nicht liegt und Stillstand sollte auch niemals für das Label gelten.
helena shorts klein

Wer sind Deine Kunden, wen sprichst Du mit Deiner Arbeit an?
Meine Kundinnen sind meist Mädels zwischen 17 und 27 Jahren, die sich sehr für Fashion und Lifestyle interessieren und die einen Hang zur Vintage-Mode haben. Außerdem legen sie großen Wert auf Qualität und wollen wissen, wer hinter dem Label, das sie tragen, steckt.

Und wo kann man Deine Mode kaufen?
Momentan gibt es sie nur im Internet zu kaufen. In Zukunft wird es meine Sachen aber hoffentlich auch in einigen Läden geben, die sich auf “Jungdesigner” spezialisiert haben.

Was hat Dich zu Deiner “Van Rolt”-Kollektion inspiriert?
Auf der einen Seite habe ich mich tatsächlich von Blogs, den modernen Tagebüchern unserer Gegenwart, inspirieren lassen. Tagebücher schreibt vermutlich kaum einer mehr, dafür  gehen alle ins Internet und dort setzt sich diese Tradition des Tagebuchschreibens in einem neuen Medium fort. Blogs symbolisieren für mich im Grunde die Symbiose aus Tradition und Moderne. Und Tagebücher faszinieren mich. Auf der anderen Seite habe ich mich von den 40er und 60er Jahren inspirieren lassen, die sich bei mir immer wieder in Details oder einigen Schnitten finden lassen. Ich bringe gern Klassik mit Moderne zusammen.

_DSC3917 1Gibt es ein Lieblingsteil in Deiner Kollektion?
Das sind eindeutig die Shorts aus Vintage-Baumwolle und das blaue Seidentuch. Das trage ich selbst ständig und fast überall.

Was ist das Besondere an Deiner Arbeit und was ist Dein Konzept?
Im Moment setzt sich meine Kollektion aus einem überschaubaren Sortiment bestehend aus modernen Basics, die in größeren Stückzahlen produziert werden können, und aus 1-2 It-Pieces zusammen, die ich in geringerer Menge anfertige und für die ich Vintagematerialien oder auch besondere Knöpfe verwende. In der aktuellen Saison ist das z.B. die Bundfalten-Shorts mit Tulpenmuster.

Was war die Inspiration für das “Van Rolt”-Fotoshooting?
Da mich die großen durchästhetisierten Fashion-Fotoproduktionen oftmals langweilen, wollte ich etwas Greifbares, Reales – etwas, das nicht überperfektioniert oder klinisch wirkt –  darstellen. Also haben wir in der WG einer Freundin geshootet. Es wurde weder ein Tisch abgewischt noch irgendetwas aufgeräumt. Sämtliche Räumlichkeiten werden tatsächlich so bewohnt, wie sie auf den Fotos erscheinen.

helena shirt und shorts kleinWelche Designer würdest Du als Deine Vorbilder nennen?
Direkte Vorbilder habe ich im Grunde nicht, aber ich bewundere beispielsweise Stella McCartney sehr ebenso auch Jil Sander oder Balenciaga. Man erkennt die jeweiligen Kollektionen meist sofort an ihren typischen Schnittführungen. Mir ist in der Mode nicht so wichtig, dass die Kollektionen pompös oder besonders auffällig sind. Für mich liegt die Schönheit eher im Detail. Aber natürlich finde ich auch Viktor & Rolf oder Dior toll.

Und was inspiriert Dich?
Ich lasse mich gern von Fotos oder Bildbänden inspirieren oder stöbere auf Flohmärkten. Meist habe ich aber während meiner Arbeit einen Typ Frau im Kopf und überlege mir, welche Farben und Schnitte ihr stehen könnten.

Wie bist Du darauf gekommen an der Fahmoda Deine Ausbildung zu machen?
Eigentlich wollte ich immer Kunstgeschichte studieren, aber ich nähe auch seitdem ich 11 oder 12 Jahre alt bin. Die Leidenschaft für die Mode hat sich am Ende durchgesetzt. Ich habe mich umgehört, mir verschiedene Schulen angesehen und schließlich beschlossen, dass die Doppelausbildung an der Fahmoda optimal für mich ist. Mit 20 Jahren hatte ich dann schon 2 Abschlüsse in der Tasche.

miriam leggins quer klein

Was hat Dir an der Ausbildung gefallen?
Fertigung und Schnitt. Seit der Ausbildung bin ich ein Schnitt-Fanatiker. Ich feile so lange an der Passform herum bis sie in meinen Augen 100% stimmig ist. Ich sehe so oft Teile von Designern oder Jungdesignern, die absolut nicht durch den “Fashion-TÜV” gehen, die schlecht verarbeitet oder deren Schnitte verkorkst sind. Zu meinem Bild von Ästhetik gehört eine qualitativ hochwertige Verarbeitung dazu.

Wo gehst Du in Hannover shoppen?
Auf Flohmärkte am Leineufer oder an der Faust. Dort versorge ich mich mit Vintagestücken. Sonst fahre ich ehrlich gesagt auch oft nach Hamburg.

Deine Lieblingsplätze in Hannover sind:
Die Bar auf der Limmer wegen der tollen Bagels und den Soja-Lattes. Abends gehe ich öfter ins Chez Heinz, weil ich die absolut coolen Partys dort mag. Ansonsten trifft man mich meist in Linden.

miriam bluse kleinDu hast ja auch einen Blog namens “Van Rolt”. Welche Blogs kannst Du uns empfehlen?
Momentan verfolge ich “Polaroiddeer – hats fruit that eats itself” sehr gern, aber es gehören auch “elli eats cake” , “Ok Cool” und “Lachsbrötchen” zu meinem täglich Brot.

Und wie sehen Deine Pläne und Wünsche für die Zukunft aus?
Gerade habe ich viel mit Ämtern und Behörden zu kämpfen. Sagen wir es mal so: der Start ins Modebusiness wird einem in Deutschland nicht gerade erleichtert und man muss da schon hart, sehr leidenschaftlich und zäh sein. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass der Tag 72 Stunden hat.