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Archive for Februar, 2018

 

HANNOVER  
 Februar 25th, 2018

Karriere Porträts: Julia Häußler und Danny Reinke

 

Während der Berlin Fashion Week trafen wir wie bereits erwähnt auch einige unserer Alumnis und unterhielten uns mit ihnen über ihre aktuellen Entwürfe, Jobs und Pläne.

2017_10_KALTBLUT_01_006(Absinthe & Lavender im Kaltblut Magazine)

Julia Häußler hat letztes Jahr mit ihrer Abschlusskollektion “Absinthe & Lavender” erfolgreich ihre Ausbildung an der Fahmoda beendet. Danach ist sie nach Berlin gezogen. Was sich seitdem in ihrem Leben getan hat, erfahrt Ihr hier im Interview:

Nach deinem Abschluss hast du ja sofort ein Praktikum bei Dawid Tomaszewski begonnen. Seit einigen Monaten arbeitest du nun dort als Design-Assistentin… Ja ich stehe ihm primär beratend zur Seite. Hauptsächlich leite ich die Produktion.

Und wie kam es, dass du so schnell von der Position der Praktikantin zur “rechten Hand” des Designers wechseln konntest? Nach der Fashionweek im Sommer hat die bisherige Head of Production ihre Kündigung bekannt gegeben. Da wurde natürlich schnell Ersatz gesucht. Im Prinzip war es wohl eine Mischung aus Können und viel Glück.

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Wer oder was inspiriert dich? Gender is over, die Schlüsselaussage meiner Abschlusskollektion, ist nach wie vor ein wichtiges Thema in meinem Leben. Ich wohne in einem Stadtteil, in dem persönliche und sexuelle Entfaltungen oft im Mittelpunkt des Lifestyle stehen. Das, womit ich mich für meine Abschlusskollektion auseinandergesetzt habe, sehe ich jetzt jeden Tag vor der Haustür. Leute ziehen sich an, was sie wollen, und leben, wie sie wollen – dafür hat es sich schon gelohnt, nach Berlin zu kommen.

2017_10_KALTBLUT_03_083(Absinthe & Lavender im Kaltblut Magazin)

Beschreibe einmal deinen Arbeitsalltag. Was sind deine regelmäßigen Aufgaben?

Das ist schon der erste Punkt, der mir besonders gut gefällt an meinem Job – es gibt keinen Arbeitsalltag! Jeder Tag ist anders. Meine Aufgaben erweisen sich als sehr abwechslungsreich und sind abhängig vom Zeitpunkt innerhalb des Saison-Rhythmus’. Hauptsächlich geht es bei meinem Job um den Kontakt zu Lieferanten und Produzenten und das Vorbereiten und Ausliefern der Waren an die Kunden. Dazu gehören auch Messebesuche rund um die Auswahl neuer Stoffe. Gerade zum Beispiel war ich auf der Premiere Vision in Paris. Das ist interessant, aber auch anstrengend. Neben den Stores und Boutiquen, die bei uns ordern, haben wir auch Privatkundinnen bei uns im Atelier. Da kümmere ich mich zum Beispiel auch um Sonderanfertigungen und Maßkonfektionen.


Was muss man deiner Meinung nach können und mitbringen, um in diesem Job zu arbeiten?

Ich merke immer wieder, wie unwichtig hier bestimmte Titel oder Abschlüsse sind. Ich führe auch Bewerbungsgespräche und achte hauptsächlich auf die Arbeiten im Portfolio und auf die fachlichen Fähigkeiten. Am Wichtigsten ist meiner Meinung nach die Motivation. Wenn du in diesem Bereich der Modebranche arbeiten willst, musst du wirklich dafür brennen.

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Wie werden bei euch die Kollektionen entwickelt und produziert?

Die Kollektionsentwicklung läuft hier ganz anders ab als es gewöhnlicherweise Mode-Studenten in ihrem Studium lernen, wo sie ganzheitliche Konzepte entwickeln. Hier ist alles viel schneller und stärker impulsgesteuert, weniger analytisch. Es wird kein konzeptueller Plan ausgetüftelt bevor man anfängt zu nähen. Das war für mich anfangs ungewohnt. Aber Dawids spontaner Ansatz eröffnet auch Möglichkeiten ad hoc auf Trends, Farben und zufällige Inspirationen zu reagieren. Am Ende produzieren wir eine Masse an Kleidungsstücken, die schließlich unsere Stylistin ordnen muss. Sie sorgt dafür, dass das Ganze auf dem Laufsteg in sich rund aussieht. Nach der Fashion Week starten dann die Messen, bei denen die Einkäufer ihre Order aufgeben können. Danach beginnt für mich meine “richtige” Arbeit: Ich muss koordinieren welche Artikel bestellt wurden, die Menge der benötigten Materialien berechnen und bestellen, Worksheets und Musterteile für die Produktion in Polen vorbereiten und dafür sorgen, dass alles seinen geregelten Gang nimmt.

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Was sind denn deiner Meinung nach die typischen Merkmale der Mode von Dawid Tomaszewski?

“More is more, less is shit” – Diesen Spruch hört man bei uns regelmäßig, und er zeigt auch ganz gut, worum es hier geht. Als Kontrast zum Minimalismus heißt die Devise Opulenz, Detailreichtum, Hochwertigkeit.

Und was ist deiner Meinung nach insgesamt das Erfolgsrezept von Dawid Tomaszewski?

Neben den typischen Signature-Looks seiner Kollektionen, die vielen Frauen gefallen, sind es vielleicht zwei zentrale Punkte: Erstens geht es um soziale Intelligenz: Dawid verfügt über ein sehr effektives Netzwerk von vielen, guten Kontakten, auf das er immer wieder zurückgreifen kann. Und zweitens kennt er seine Zielgruppe ganz genau und kann ein Gefühl dafür entwickeln, was für Bedürfnisse und Ansprüche sie an Kleidung und das ganze Drumherum stellt bzw. was sie von einem Modelabel erwartet. Er findet die richtige Ansprache für seine Kundinnen.

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Gerade war ja die Berlin Fashionweek. Welche Orte, Messen und Designer neben D.T. findest du in der aktuellen Saison besonders spannend?

Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich einfach treiben lassen. Nicht nur anlässlich der Fashionweek gibt es ja an jeder Ecke spannende Pop Up Events und Ausstellungen. Gerade, wenn man networken will, sollte man zu unterschiedlichen Veranstaltungen (in den Bereichen Kunst, Mode, Film oder Musik) gehen. Sonst trifft man immer dieselben Gesichter. Mein persönlicher Lieblingsspot zur Zeit: der Ge03 Concept Store auf der Rosenthaler Straße. Sam (auch Fahmoda Alumni) und Thomas schaffen es, im fast schon krampfhaft stylish wirkenden Stadtteil Mitte für ein Stück individuelle Persönlichkeit zu sorgen.

Hast du noch Kontakt zu anderen Fahmoda-Alumnis?

Ja teilweise, hauptsächlich zu Leuten aus vorherigen Jahrgängen. Es ist immer gut Erfahrungen austauschen und sich Rat zu holen – das hat mir bisher sehr geholfen.

Absinth Huf Magazine(Absinthe & Lavender im HUF Magazine)

Was hat dir in der Ausbildung an der FAHMODA besonders gefallen?

Der umfassende und vielseitige Stundenplan. Ohne die handwerkliche Ausbildungsseite hätte ich meinen Job vielleicht nicht bekommen. Denn ich sitze nicht nur am Schreibtisch, sondern ich muss auch aktiv im Atelier mitwirken oder Anweisungen geben. Alles in allem war die Ausbildung für mich persönlich genau das Richtige. Ich habe Grundwissen über die verschiedensten Bereiche der Mode bekommen und kann jetzt vertiefen, was für mich im Beruf wichtig ist.

Und welche Erfahrungen haben dich bisher auf deinem Weg als “Designerin“ weitergebracht?

Jede Fashionweek, die ich während und nach meiner Zeit an der FAHMODA mitgemacht habe, egal in welcher Position, ob als Besucherin, als Hilfskraft oder als Praktikantin, war hilfreich für mich. Ich habe sowohl als Dresser Backstage gearbeitet oder auch als Messehostess als auch als Designerin und als Design-Assistenz. Alle diese praktischen Erfahrungen haben mir am meisten geholfen, weil ich umfassende Einblicke in unterschiedliche Seiten der Branche bekommen habe. Aber auch vermeintlich negative Erfahrungen helfen einem bei der Entwicklung weiter. Manchmal dauert es nur länger, bis man es auch erkennt.

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Und nun die letzte obligatorische Frage: Was stellst du dir für deine Zukunft vor bzw. welche Pläne hast du?

Erstmal möchte ich natürlich so lange wie möglich Erfahrungen in meinem Job sammeln. Vielleicht studiere ich später aber auch noch mal. Ich möchte mich auf jeden Fall weiterentwickeln. Auch das Theater als Arbeitsbereich reizt mich nach wie vor. Es bleibt also spannend.

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Im Rahmen der Fashionweek hat auch wieder Danny Reinke seine aktuelle Kollektion präsentiert. Wir haben ihn besucht und gefragt, worum es in seiner aktuellen Arbeit für die kommende Saison geht.

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Was ist das Besondere an deiner neuen Kollektion? Die Kombination aus straighter Sachlichkeit und rauschhafter Feminität ist typisch für meine Mode und spielt auch in der kommenden Saison eine große Rolle: Tüll meets Uniformität, maskuline Anzüge treffen auf florale Muster. In meinen Outfits können sich Frauen theatralisch in Szene setzen, sehen dabei aber nicht zu verrüscht oder verkleidet aus. Es geht bei allem um eine souveräne Modernität und eine lässige Eleganz. Natürlich steht die hochwertige Verarbeitung im Vordergrund. Der Couture-Gedanke spielt immer eine Rolle. Ich denke, dass die Frage, was die typische Danny Reinke DNA ist, letztendlich meine Kundinnen am besten beantworten können.

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Und wer sind deine Kundinnen? Wer trägt aktuell deine Outfits?

Meine Outfits tragen oft Frauen, die etwas Besonderes für einen speziellen Abend, ein Event oder eine große Gala suchen. Bisher traten schon Marina The Moss oder auch Veronica Ferres in meinen Kleidern auf. Auf der letzten Berlinale standen die Moderatorin Selma Üsük und die Schauspielerin Jennifer Ulrich in meinen Entwürfen auf dem roten Teppich.

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(Jennifer Ulrich)

Welche Teile verkaufen sich bisher am besten?

Unsere Seidenblusen werden bisher sehr gut angenommen. Aber auch bei den Hosen und Mänteln steigt die Nachfrage. Hin und wieder möchten Kundinnen auch gern ein customized Brautkleid haben.

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(Selma Üsük)

Wo kann man Danny Reinke aktuell erwerben?

Uns gibt es ab März online unter Showroom sowie im LNFA Store im Bikini Berlin.

Du unterrichtet ja auch bei uns an der Fahmoda. Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, was junge Modestudierende heute lernen und mitbringen müssen?

Das Wichtigste ist neben Talent auf jeden Fall Fleiß gepaart mit Ehrgeiz. Man sollte an sich glauben und nicht aufgeben. Ehrlich gesagt ist das Haifischbecken “Modeindustrie“ groß und rappel voll! Niemand wartet dort auf das nächste große Designergenie. Vielmehr braucht man Biss, Durchhaltevermögen, und man muss seine Nische finden. Klar ist auch, dass man auf diesem sehr spannenden Weg mitunter Fehler macht. Diese sind meiner Meinung nach auch wichtig, um sich weiterzuentwickeln. Vorausgesetzt, man lernt daraus. Man sollte für Kritik offen sein und sich nicht von jedem kleinen Gegenwind sofort entmutigen lassen.

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Wie sehen deine Pläne für die nächsten Monate aus?

Der Verkauf auf verschiedenen Plattformen nimmt viel Zeit in Anspruch. Die Sommerkollektion ist bereits in Planung, und wir ziehen in ein größeres Atelier um. Es gibt immer viel zu tun, Step by Step gehts weiter voran.

HANNOVER  
 Februar 19th, 2018

Exkursion zur Berlin Fashionweek

 

Fahmoda Premium

Während gerade die internationalen Prêt-à-porter-Schauen in London laufen, schauen wir noch einmal zurück auf die Berlin Fashionweek, die im Januar stattfand. Wie jede Saison besuchten wir in der Deutschen Mode-Metropole verschiedene Messen und trafen uns auch mit unseren lieben Alumnis, die wir hier in weiteren Artikeln näher porträtieren werden.

Fahmoda Alumnis

Auf der Premium und Seek analysierten wir neue und alte Trends. Auffällig erschienen uns im Vergleich zu vorherigen Winter-kollektionen die zahlreichen farbenfrohen Stoffe (kräftige Töne in Gelb, Burgunder, Grün und Violett aber auch in Kombination mit Rosa, Flieder, Hellblau und Beige), plakative an die 70er erinnernde florale Prints, Schluppenblusen, voluminöse Fake-Fur-Mäntel und Jacken, Fransen, Filzoptiken und strukturiert flauschiger Strick, Glanz- und Lackstoffe, Midiröcke und Kleider, weite Hosen, 90er Jahre Rave- und Sport-Styles, aber auch folkloristisch wirkende Muster und Gewebe.

Fashiondesign Fahmoda

Schon jetzt können wir sagen: der nächste Winter wird, wenn es nach den Labels geht, alles andere als trist! Neben neuen Hypes konzentrierten wir uns beim Gang durch die vielfältigen Designer-Stände aber auch auf Labels mit innovativen und zukunftsweisenden Konzepten.

Fahmoda Students

Einige unserer Sschülerinnen stellen Euch hier peu a peu ein paar Labels vor, die ihnen besonders positiv aufgefallen waren  …

Lena Jordan:

ECOALF

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Während unseres Ausflugs zur Berlin Fashionweek habe ich die Marke Ecoalf auf der Seek entdeckt. Ecoalf ist ein junges Label aus Madrid (Gründung 2009), das sich zur Aufgabe gemacht hat, Müll zu recyceln und daraus neue Produkte zu schaffen.

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Mit ihrem Projekt, „Upcycling the Oceans (spain/thailand)“ tragen sie gleichsam zur Entmüllung der Ozeane bei und stellen aus den Plastikflaschen Stoffe her, die sie zu Outdoorbekleidung sowie Schuhen und Accesoires weiterverarbeiten.

Neben dem Recyceln von Plastikflaschen steht das Label auch für das Recyceln von Fischernetzen, Kaffeesätzen, Polyester, Wolle und Autoreifen.

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Interessierte Kunden können weltweit onlineshoppen und auch europaweit ist das Label in verschiedenen Stores zu finden. Besonders beeindruckend fand ich die Haptik der Stoffe, die sich sehr angenehm anfühlen. Dazu sind die Outfits funktional und hochwertig verarbeitet. Meiner Meinung nach handelt es sich hier um ein spannendes Label, das man nicht aus den Augen verlieren sollte. Mit ihren Projekten können Ecoalf Großes vollbringen.

Auf der Webseite www.ecoalf.com bekommt man auch hilfreiche Informationen über die Herstellung, Projekte und verschiedene Kollaborationen, bei denen man sich inspirieren lassen kann. Im Gesamteindruck erscheint die Marke als ein sportliches, junges Label, dass Negatives in Positives umwandelt.

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Julia Mars:

ROQA


Ich habe mir in Berlin den Stand der Marke ROQA angesehen. Das neue Label wurde im Jahr 2017 von der Hannoveranerin Mirela Stanoiu gegründet und zählt zur ZOE FASHION GmbH & Co. KG.

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Wofür steht ROQA?
Die Marke bietet tragbare Luxus-Street-Styles wie Hoodies, Sweats und Trackpants mit individuellen Details und handwerklich hochwertiger Verarbeitung. Trendmäßig knüpft das Label an den “athleisure” Lifestyle an und verbindet sportliche Looks mit Eleganz und Coolness. Die Zielgruppe sind sportliche, erfolgreiche Business-Frauen verschiedener Altersgruppen, die modisch, aber nicht spießig und gedresst wirken wollen. ROQA ist im Einzelhandel bereits gut aufgestellt und in verschiedenen Stores zu erwerben. Auf der Messe und auch online präsentiert sich die Marke als hochwertiges High-End-Label.

Armed AnglesClara Schön: ARMEDANGLES – Der Robin Hood der Modeindustrie

Armed Angles 2

Armedangels wurde 2007 von Martin Höfeler und Anton Jurina in Köln als ein Fairtrade zertifiziertes Öko-Modelabel gegründet. Zunächst wurden fair hergestellte T-Shirts und Hoodies in Zusammenarbeit mit freien Künstlern und Grafikern produziert. Mit dem Erlös sollten unter anderem Charity Projekte unterstützt werden. Mittlerweile ist Armedangels als Komplettanbieter für Damen- und Herrenmode auf dem Markt etabliert und bringt 4 Vollkollektionen pro Jahr heraus. Das Label hat sich außerdem vom reinen Online Geschäft zum Wholesale-Partner mit 900 POS weltweit in folgenden Ländern entwickelt: Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Frankreich, Dänemark, Schweden, Finnland, UK, Italien, Spanien, Tschechien, Ukraine, Polen, Japan und den Niederlanden. Neben dem eigenen Onlineshop werden die Artikel auch auf Shop-in-Shop-Flächen bei bekannten Modekaufhäusern wie P&C, Ludwig Beck und Breuninger verkauft. Die Produktionspartner des Labels kommen aus Portugal, der Türkei, China und Österreich. Im Hauptsitz in Köln arbeiten derzeit 70 Mitarbeiter. Auch dort wird im Alltag auf nachhaltige Handlungen und Produktionsprozesse geachtet, so dass zum Beispiel nur Glasflaschen und nur recyceltes Papier verwendet werden.

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Im Hinblick auf die verwendeten Fabrics wird auf einen konsequenten Einsatz von nachhaltigen, nachwachsenden und umweltfreundlichen Materialien geachtet. Dabei kommen Bio-Baumwolle, Bio-Schurwolle, Bio-Leinen, Tencel, Modal, Viskose und recyceltes Polyester zum Einsatz. Bei allen Rohstoffen steht eine energie- und ressourcenschonende, umweltfreundliche und faire Herstellung mit möglichst geschlossenen Produktionskreisläufen im Vordergrund. Die Viskosefasern stammen beispielsweise aus nachhaltiger Forstwirtschaft in Österreich, das recycelte Polyester wird aus eingeschmolzenen und gereinigten Getränkeflaschen gewonnen. Bei den Wollfasern wird besonders auf die freilebende Tierhaltung der Schafe geachtet.

Das Nachhaltigkeitsprinzip von Armedangels wird durch drei Zertifikate offiziell bestätigt, bei denen das Label in den vergangenen Jahren beigetreten ist: Seit 2007 ist es Fairtrade zertifiziert. Damit ist die Zahlung von stabilen Mindestpreisen und Fairtrade-Prämien an die Baumwollbauern gewährleistet. Seit 2011 sind alle Lieferketten GOTS zertifiziert (Globald Organic Textile Standard). Dieses Zertifikat beinhaltet die Gewährleistung einer ökologisch nachhaltigen, sowie sozial verantwortlichen Herstellung von Textilien, zum Beispiel der Einsatz von zertifizierten Chemikalien, professionelle Klärung von Abwässern etc.. Seit 2015 ist das Label Mitglied der Fair Wear Foundation. Durch diese Organisation sollen die Lieferketten und Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken weltweit verbessert werden. Dazu gehören das Verbot von Kinderarbeit, das Recht auf Vereinigungsfreiheit, sichere Arbeitsplätze, existenzsichernde Löhne und eine ressourcenschonende Produktion.

Es wird also deutlich, dass Armedangels ein zeitloses Design dem Konstrukt Fast Fashion vorzieht, faire Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung vertritt, nachhaltige Materialien statt günstige Massenware verwendet und eine hohe Transparenz in der eigenen Wertschöpfungskette und gegenüber den Kunden aufweist. Das Label spricht von sich selbst als „bewaffneter Engel im Kampf gegen die Ungerechtigkeit und die Missstände in der Fashionbranche“.

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Diese Leitsätze spiegeln sich auch im Marketing wider. Im Visual Merchandising wird auf minimalistische, offene Regalsysteme gesetzt, die die Bekleidungsartikel von allen Seiten einsehen lassen. Helles Holz und Weiß als Möbelfarbe unterstreichen die klaren Strukturen und das zeitlose Design. In der Printgestaltung wird auf den Wechsel zwischen schwarz-weißen und farbigen Fotos geachtet. Zudem werden die Schlüsselsätze und Leitsprüche groß abgebildet. Cleane Hintergründe lenken den Fokus auf die Mode, die Modelauswahl steht für Natürlichkeit und „Diversity“. Auch der Onlineshop besticht durch klare, übersichtliche Rubriken und informierende Beiträge (ähnlich zu Blogposts), in denen die Kunden unter anderem über die eingesetzten Materialien, sowie die Produktionspartner ausführlich informiert werden. Das sehr modern ausgerichtete Marketing zeigt, dass sich das Label von der „klassischen Ökomode“ distanzieren möchte und verdeutlichen will, dass nachhaltige Mode modern und nicht verstaubt ist.

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