Fahmoda Absolventen auf der Spur (2)
HANNOVER  
 Januar 15th, 2010


labude
Julia Kirstein (28) hat vor zweieinhalb Jahren nach ihrem Studium an der Fahmoda einen eigenen Laden namens “Labude” in Köln eröffnet. Wie kommt sie mit der Selbständigkeit zurecht, wer sind ihre Kundinnen und welche Pläne hat sie für die Zukunft? All diese Fragen haben wir ihr in einem Interview gestellt. Julias Antworten und noch mehr Bilder von ihren Kollektionen findet Ihr auf der nächsten Seite.
Wie kamst Du auf die Idee, einen eigenen Laden zu eröffnen?
Schon während meiner Ausbildung an der Fahmoda hatte ich meine eigene Selbständigkeit vor Augen. Für mich war es immer eine der größten Motivationen, meine eigenen Entwürfe umzusetzen und diese dann direkt an den Kundinnen verwirklicht zu sehen. Der persönliche Kontakt zu den Leuten und ihr Feedback sind mir sehr wichtig.
Wie würdest Du Dein Konzept beschreiben und wovon lässt Du Dich inspirieren?
Ich versuche sowohl einen femininen, anspruchsvollen als auch bequemen Stil zu kreieren, der vom klaren 20er Jahre-Look und den verspielten 50er Jahren beeinflusst ist. Die Outfits wirken dadurch stets besonders und sind als typisch “Labude” wiedererkennbar. In meiner Arbeit beziehe ich immer ein Stück Geschichte ein. So weckt jedes Kleidungsstück Erinnerungen an vergangene Epochen und Stilikonen. Die Trägerin kann sich so zu sagen in andere Zeiten hineinversetzen, quasi mit der Aura von Greta Garbo, Grace Kelly oder Marlene Dietrich spielen.
Dabei ist mir aber auch wichtig, dass die einzelnen Teile gut miteinander kombiniert werden können.
Welche Kundinnen sprichst Du mit Deiner Mode an?
Ich spreche selbstbewusste, urbane Frauen an, die in dem femininen Look von Labude einen Ausdruck ihrer Individualität und Persönlichkeit entdecken.

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Wie ist/war die Resonanz auf Deinen Laden?
Sehr gut. Inzwischen führe ich den Laden ja schon zweieinhalb Jahre und die vielen Stammkundinnen zeigen einem natürlich, dass man auf dem richtigen Weg ist.
Wie sieht der Produktionsprozess für Deine Kollektionen aus? Machst Du alles selbst?
Ich habe mittlerweile Fertigungshilfen, die mich unterstützen, so dass das Meiste bei mir im Atelier gefertigt werden kann und ich auch kurzfristig Anfertigungen flexibel vornehmen kann.
Und wie viele Looks gibt es in einer Labude-Kollektion?
Meist habe ich pro Saison 13 Outfits als Basiskollektion im Sortiment. Diese Teile kann man dann im Laden durchgängig käuflich erwerben. Dazu kommen weitere Unikate und Kleinserien, die ich zwischen den Hauptkollektionen anfertige. So arbeite ich eigentlich das ganze Jahr über, entdecke und entwerfe Neues.
Inwieweit orientierst Du Dich an aktuellen Trends?
Eher weniger. Der Vorteil an einem kleinen Laden ist, dass man nicht gezwungen ist, massentauglich zu sein. Eigene Ideen können größtenteils ohne Vorgaben komplett umgesetzt werden.


Warum hast Du Dich seinerzeit für ein Studium an der Fahmoda Akademie entschieden?
Für mich war es wichtig, dass man gleichzeitig zu dem Modedesignstudium auch eine Maßschneiderlehre absolvieren konnte. So erwirbt man nicht nur Kompetenzen im Zeichnen und in den kreativen Praktiken, sondern gleichsam auch das Know-How für den “bodenständigen” Bereich der handwerklichen Umsetzung, was einem im späteren Beruf ungemein hilft. Vor allem vor dem Hintergrund meiner eigenen Selbständigkeit ist es für mich das A und O bei jedem Entwurf sofort zu wissen, wie und ob etwas mit vorhandenen Mitteln realisiert werden kann oder nicht.
Was hat Dir am Studium an der Fahmoda gefallen?
Ich habe damals das Studium als sehr vielseitig empfunden und beobachte heute noch mit Neugier, wie sich die Akademie entwickelt, die neuesten Möglichkeiten wie Austauschprogramme, die dort angeboten werden, und was die Absolventen jedes Jahr präsentieren.
Was empfiehlst Du den jungen Modedesignstudenten und den diesjährigen Absolventen?
Praktika, Praktika, Praktika. So merkt man einfach am besten, in welchen Bereich man gehen möchte, was am besten für einen ist.
Und was sind Deine Pläne/Wünsche für die Zukunft?
Demnächst wird es ein weiteres Labude-Geschäft geben und ich hoffe natürlich, dass alles weiterhin so erfolgreich läuft wie bisher. Insgesamt bin ich sehr zufrieden.
Julia twittert und schreibt übrigens auch einen Blog – wenn Ihr also auf dem Laufenden bleiben wollt, dann folgt dem labude-koeln.blogspot.com.